Quallen
Irukandji-Quallen sind eine heterogene Gruppe von hochgiftigen Würfelquallen, die das Irukandi-Syndrom auslösen können. Die beiden bekanntesten Arten sind:
Wiss. Name:
Englisch:
Deutsch:
Außerdem kann das Syndrom auch ausgelöst werden durch:
Weitere Arten, die mit dem Irukandji-Syndrom in Verbindung gebracht werden sind:
Obwohl häufig Carukia barnesi als „die“ Irukandji-Qualle bezeichnet wird, sind Irukandji-Quallen eine heterogene Gruppe von hochgiftigen Würfelquallen, die das Irukandi-Syndrom auslösen können. Bis zu 25 Spezies stehen im Verdacht. Das Syndrom wurde 1952 von Hugo Flecker nach einem Aborigine-Stamm benannt, der in der Nähe von Cairns in North Queensland, Australien, lebt. Es wird am häufigsten durch die Quallenart Carukia barnesi verursacht, die wiederum nach dem Wissenschaftler Jack Barnes benannt wurde, der die Art als Ursache der Erkrankung entdeckte. Er stellte den Kausalzusammenhang her, nachdem er selbst, sein Sohn und ein Rettungsschwimmer vor Ort vernesselt wurde und die daraus resultierende Erkrankung anschließend im Krankenhaus behandelt werden musste. Daher wird diese spezielle Art oft als „Irukandji-Qualle“ bezeichnet [1].
Zu Verwirrungen kommt es bei einer anderen Quallenart, die ebenfalls das Irukandji-Syndrom auslösen kann, zuweilen durch die ungenaue Bezeichnung des Begriffs „Sea wasp“ (Seewespe), die sowohl für Alatina alata als auch für die australische Würfelqualle Chironex fleckeri verwendet wird. Letztere ist äußerst gefährlich und häufig tödlich, verursacht jedoch kein Irukandji-Syndrom.
Die Irukandji-Quallen sind häufig sehr klein. So beträgt der Schirmdurchmesser der Carukia barnesi im Mittel 2 cm, das Tier besitzt nur 4 Tentakel. Wie alle Würfelquallen verfügen sie über Augen. Die Farbe der Tiere ist durchsichtig bis milchig-weiß, was das Erkennen unter Wasser noch mehr erschwert, als es die geringe Größe schon tut. Häufig wird bei Unfällen die Qualle überhaupt nicht wahrgenommen, sondern die Betroffenen fühlen lediglich einen Schmerz, gefolgt vom typischen Verlauf des Irukandji-Syndroms nach rund 30 Minuten (s. Vergiftung). Anders als andere Quallenarten besitzt mindestens C. barnesi Nesselzellen auch im Bereich des Schirms und nicht nur an den Tentakeln [1], [2].
Die anatomischen Angaben in der nachfolgenden Tabelle beziehen sich auf die Schirmhöhe und nicht auf den Durchmesser. K. gigas beispielsweise hat eine sehr langgezogene Form. Über die Tentakel ist wenig einheitliches bekannt, was unter anderem daran liegen kann, dass die Quallen in der Lage sind, ihre Tentakel zusammenzuziehen. Hierdurch sinkt die Reichweite, es erhöht sich aber die Konzentration der Nesselkapseln in Bezug auf die Kontaktfläche.
| Spezies | Höhe der Schirmglocke | Länge der Tentakel |
|---|---|---|
| Carukia shinju | 10 - 25 mm | |
| Carybdea xaymacana | 10 - 20 mm | bis zu 1 m |
| Carukia barnesi | 12 - 35 mm | 5 - 60 cm, in einigen Fällen bis zu 1,2 m |
| Malo bella | 19 mm | |
| Malo kingi | bis zu 31 mm | |
| Malo filipina | 30 - 40 mm | |
| Malo maxima | 30 - 45 mm | |
| Alatina moseri | bis zu 76 mm | |
| Morbakka fenneri | bis zu 15 cm | |
| Alatina alata | bis zu 25 cm | |
| Keesingia gigas | bis zu 50 cm | |
| Alatina mordens | n.n. | n.n. |
Aktivierung der Nesselkapsel (Nematocyste) eines Nematocyten (Nesselzelle) durch Berührung des Cnidocils („Sinneshaar“, roter Pfeil): Es kommt schlagartig zu einer Öffnung des Deckels (Operculum). Der Schaft wird wie ein Pfeil herausgeschleudert und durchdringt die Haut des Opfers. Im Anschluss stülpt sich der Nesselfaden von innen durch den Schaft um, dringt ins Gewebe des Opfers ein und injiziert das in der Kapsel enthaltene Gift. Der gesamte Prozess dauert typischerweise 3–10 Millisekunden (vom Reiz bis zur vollen Entladung). Die Entladung der Nesselzelle kann nicht nur durch Berührung, sondern auch durch andere chemisch-physikalische Prozesse erfolgen, in dem das Milieu bzw. der Druck in der Kapsel durch osmotische Prozesse (z.B. Süßwasser, alkoholische Desinfektionsmittel) verändert wird.
C. barnesi und M. kingi kommen vor allem an der Nord- und Ostküste Australiens vor. Gefährliche Begegnungen sind vor allem in der Gewässern der nördlichen Hälfte Australiens beschrieben [3]. Es scheint eine Ausdehnung des Verbreitungsgebietes nach Süden zu geben, welche der Erwärmung dieser Regionen zugeschrieben wird [2].
C. xaymacana und A. alata wurden in der Karibik, letztere Art auch im Pazifik vor Hawaii und vor den Fidschi-Inseln dokumentiert.
Zum Zeitpunkt der Texterstellung liegt bei iNaturalist keine eingetragene Sichtung von Cariuka barnesi vor. Für den Fall zukünftiger Sichtungen wurde trotzdem die entsprechende Karte implementiert.
Datenquelle: iNaturalist.org (Community-based, aufgeführt sind aus technischen Gründen nur die 200 aktuellsten Sichtungen.)
Hinweis: Fehlende Markierungen bedeuten nicht sicher Abwesenheit, sondern lediglich fehlende Nachweise.
Die „klassischen“ Irkunadji-Quallen C. barnesi und M. kingi sind häufig im Wasser nicht zu sehen, da sie nicht nur extrem klein sind, sondern ihr Körper auch aus einem gallertigen, dursichtigen Material besteht. Das erklärt auch die geringe Häufigkeit fotografisch dokumentierter Sichtungen. Die Quallen haben einen Schirmdurchmesser von rund 2 cm +/- einige Millimeter und die typische Glockenform einer Würfelqualle, unten eher eckig, oben abgerundet. Beide Arten besitzen 4 Tentakel, die unkontrahiert bis zu 60 cm lang werden können, und sind makroskopisch kaum voneinander zu unterscheiden. Die Unterscheidung ist aus medizinischer Sicht auch irrelevant, da die Folgen einer Vergiftung dieselben sind.
Der initiale Kontakt mit den Nesselzellen verläuft vergleichsweise häufig mild oder sogar unbemerkt mit fehlenden oder kaum sichtbaren Hautspuren. Er kann jedoch auch schmerzhaft sein und, wie bei den meisten Quallen, zu band- oder punktförmigen Hautläsionen führen. In der Regel finden sich keine abgerissenen Tentakel auf der Haut. Innerhalb der ersten 20 Minuten können aber auch papulöse oder bullöse Erytheme auftreten. Diese Hauterscheinungen zeigen sich in der Regel spätestens nach 20 Minuten und verschwinden häufig innerhalb einer Stunde, können in manchen Fällen aber auch über Tage bestehen bleiben.
Typisch ist der Verlauf des Irukandji-Syndroms, welches sich innerhalb von meist ca. 30 Minuten (5 – 120 Minuten) einstellt, vgl. Vergiftung [1], [4].
Carybdea-Arten sind ähnlich klein (Glocke ca. 1,5–3,5 cm), hochtransparent und würfelförmig mit genau vier Tentakeln. Sie kommen in denselben Regionen vor (z. B. australische Ostküste, tropische/subtropische Gewässer weltweit) und schwimmen ähnlich unauffällig im Wasser. Unterschiede: Die Tentakel der Jimble sind meist kürzer (5–15 cm statt bis zu 1 m bei Irukandji). Der Stich ist schmerzhaft und hinterlässt oft rote Striemen, löst aber in der Regel kein schweres verzögertes Irukandji-Syndrom aus – eher lokale Schmerzen und Entzündungen. Für Laien ist der Unterschied nicht erkennbar, es ist nicht auszuschließen, dass sie verantwortlich sind für Berichte über vermeintlich „leichte Fälle“ nach „Irkunadji“-Kontekt.
Chionex fleckeri gilt als eine der gefährlichsten Quallen überhaupt und hat im juvenilen Stadium vorübergehend eine ähnliche Größe. Der Lebensraum überschneidet sich mit den Irukandji-Arten. Die juvenilen Formen haben jedoch noch kein für Menschen tödliches Gift, da die Giftigkeit proportional zur Schirmgröße ist. Eine tödliche Gefahr stellen sie ungefähr ab Faustgröße dar [5].
Namensgebend für die Irukandji-Quallen ist das Irukandji-Syndrom. Bei Hautkontakt mit der Qualle kommt es zunächst zu einem stechenden Schmerz, der jedoch meinst nicht als schwerwiegend bezeichnet wird und innerhalb von 30 Minuten häufig wieder verschwindet.
Mit einer zeitlichen Verzögerung von meist 5 bis 40 Minuten (typischerweise nach 20 bis 30 Minuten, im Einzelfall bis 120 Minuten) wird dieser gefolgt von starken, oft krampfartigen, generalisierten Schmerzen. Weitere Symptome sind Übelkeit und Erbrechen, Atembeschwerden, Schwitzen, Unruhe sowie ein Gefühl von Angst oder sogar das Empfinden eines unmittelbar drohenden Unheils (Todesangst) [3], [6].
Das Irkuandji-Syndrom ist gekennzeichnet durch zwei Hauptpathologien:
Extreme Schmerzen, häufig mit Bauch- und Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie Krämpfen in der Extremitätenmuskulatur beginnend, von vielen Betroffenen später auch beschrieben, „als würde siedendes Öl über den Körper gegossen“, sowie
eine extreme Katecholaminwirkung bzw. -ausschüttung die, vor allem zu gefährlichen Blutdruckkrisen führt (Hypertensiver Notfall).
Die Schmerzen sind schwer zu kontrollieren und erfordern häufig extrem hohe Dosen von Opiaten oder sogar eine Narkose. Magnesiumsulfat scheint möglicherweise als Adjunvans die Wirkung der Opiate beim Irukandji-Syndrom zu verbessern [1], [5], [7].
Die Katecholaminausschüttung führt zu einem sympathomimetischen Syndrom mit extrem hohen Blutdruckwerten (meist bis 230 / 90 mmHg, der höchste bislang berichtete Blutdruck lag bei 300 / 150 mmHg) und dadurch bedingten lebensbedrohlichen Komplikationen wie intrazerebrale Blutung, hypertensivem Lungenödem, akuter Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und katecholaminassoziierten Kardiomyopathien. Die katecholaminerge Wirkung des Giftes auf den Blutdruck ist unabhängig von der Schmerzstärke und bleibt auch nach adäquater Analgesie / Narkose relevant [1], [6].
Aufgrund ihrer geringen Größe sind Netze gegen die kleinen Quallenarten machtlos. Es ist ratsam, den örtlichen Hinweisen und Warnungen Folge zu leisten und im Zweifel nicht ins Wasser zu gehen. Neoprenanzüge und „Stinger Suits“ bieten in der Regel einen guten Schutz, decken den Körper jedoch nicht lückenlos ab, so dass immer ein Restrisiko bestehen bleibt.

Spezifische Maßnahmen:

Leider ist es sehr schwer, weitere Fotos unter Creative Commons Lizenzen zu finden. Wer mir Fotos unentgeltlich zur Verfügung stellen möchte, ist herzlichen willkommen.
Sehr gutes Irukandji-Portrait von NatGeoWild.com
Video von „60 Minutes Australia“ mit Erfahrungsberichten von Opfern
Ein Taucher in hoffentlich überall gleich gut schützendem Neoprenanzug filmte diese Irukandji-Qualle in Nord Queensland
[1] E. L. Kong und T. M. Nappe, „Irukandji Syndrome“, in StatPearls, Treasure Island (FL): StatPearls Publishing, 2025. Zugegriffen: 25. August 2025. [Online]. Verfügbar unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK562264/
[2] 60 Minutes Australia, Tiny animal can inflict the worst pain imaginable | 60 Minutes Australia, (29. Oktober 2024). Zugegriffen: 28. August 2025. [Online Video]. Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=OxPuFBCSq-E
[3] „Guideline 9.4.5 – First Aid Management of Marine Envenomation“, Your Site Name. Zugegriffen: 24. August 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.anzcor.org/home/first-aid-for-bites-stings-and-poisoning/guideline-9-4-5-first-aid-management-of-marine-envenomation
[4] D. Mebs, Gifttiere: ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker: mit 511 meist vierfarbigen Abbildungen, und 35 Formelzeichnungen, 3., neu Bearbeitete und Erweiterte Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2010.
[5] L. Cegolon, W. C. Heymann, J. H. Lange, und G. Mastrangelo, „Jellyfish Stings and Their Management: A Review“, Mar Drugs, Bd. 11, Nr. 2, S. 523–550, Feb. 2013, doi: 10.3390/md11020523.
[6] Gifttiere Ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker, 4. neu bearbeitete und Erweiterte Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2025.
[7] „Emergen-Sea Medicine: Overview of Marine Envenomations“. Zugegriffen: 18. Oktober 2024. [Online]. Verfügbar unter: https://www.acepnow.com/article/emergen-sea-medicine-overview-of-marine-envenomations/
[8] P. Pereira, M. Corkeron, M. Little, und D. Farlow, „Irukandji Taskforce guidelines for the emergency management of Irukandji syndrome“, Diving Hyperb. Med., Bd. 37, März 2007.
[9] N. McCullagh u. a., „Randomised trial of magnesium in the treatment of I rukandji syndrome“, Emerg Medicine Australasia, Bd. 24, Nr. 5, S. 560–565, Okt. 2012, doi: 10.1111/j.1742-6723.2012.01602.x.

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