Stand: 29.07.2026

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Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW)

= kardiopulmonale Reanimation (engl. Cardiopulmonary Resuscitation, CPR)

Anleitungen wie diese können regelmäßiges Üben, zum Beispiel in Erste-Hilfe-Kursen der Hilfsorganisationen oder entsprechenden taucherischen Aufbau- und Spezialkursen (z.B. GDL CPR, GDL Medical Practice des VDST, Emergency First Response-Kurse von PADI und ähnliche Kurse anderer Organisationen) nicht ersetzen. Bitte frischen Sie Ihre Fähigkeiten regelmäßig und rechtzeitig auf.

Hintergrund

Alle Organe, insbesondere das menschliche Gehirn, sind auf Sauerstoff angewiesen. Der Sauerstoff (O2) wird in der Lunge aufgenommen, zu den Zellen transportiert, dort unter Energiegewinnung in Kohlendioxid (CO2) umgewandelt, dieses durch das Blut wieder zur Lunge transportiert und über die Atmung abgegeben. Kommt es zu einem Kreislaufstillstand, zirkuliert kein Blut mehr im Körper und es wird kein Sauerstoff mehr zu den Zellen transportiert. Der betroffene stirbt, wenn nicht durch Hilfe von außen der Kreislauf wieder – zumindest notdürftig – in Gang gebracht wird. Nach wenigen Sekunden funktioniert das Gehirn nicht mehr und der Betroffene wird bewusstlos. Nach wenigen Minuten beginnen erste Gehirnzellen abzusterben, einige Zeit später treten irreparable Hirnschäden ein. Es ist daher von größter Wichtigkeit, bei einem Kreislaufstillstand so schnell wie möglich Erste Hilfe zu leisten. Das allerwichtigste ist dabei die Herzdruckmassage, auf die weiter unten noch eingegangen wird. Man spricht bei der Herzdruckmassage auch von „Thoraxkompressionen“ (Thorax gr. Brustkorb).

ACHTUNG!

Beatmung ist wichtig und spielt ganz besonders bei Ertrinkungsunfällen eine große Rolle.

ABER:

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Menschen, die Angst haben, eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchzuführen – sei es aus Ekel, Angst vor Infektionskrankheiten oder weil sie es technisch nicht gut hinbekommen – häufig auch keine Thoraxkompressionen (Herzdruckmassage) durchführen.

DER GRÖSSTE FEHLER BEI EINEM KREISLAUFSTILLSTAND IST: GAR NICHTS ZU MACHEN!

Thoraxkompressionen können auch ohne Beatmung absolut lebensrettend sein!
Im Zweifel also drücken – auch wenn man nicht beatmen möchte oder kann.

Diese Methode wird auch als „Hands-only-CPR“ bezeichnet.
Wie schnell man drücken muss, verraten die Bee Gees.

Technische Durchführung der Thoraxkompressionen

Da die Thoraxkompressionen das allerwichtigste bei der Wiederbelebung sind, wird ihre Durchführung entsprechend hoch auf dieser Seite positioniert, Abläufe und Algorithmen finden sich weiter unten auf der Seite.

  • Knien Sie sich seitlich neben das Opfer
  • Legen Sie den Ballen einer Hand auf die Mitte der Brust (entspricht der unteren Hälfte des Brustbeins [Sternum])
  • Legen Sie den Ballen der anderen Hand auf die erste Hand, um mittig auf das Brustbein zu drücken.
  • Halten Sie die Arme gerade 
  • Bringen Sie Ihre Schultern senkrecht über den Brustkorb und drücken Sie das Brustbein mindestens 5 cm (jedoch nicht mehr als 6 cm) nach unten
  • Entlasten Sie nach jeder Kompression vollständig den Brustkorb, ohne den Kontakt zwischen den Händen und dem Brustkorb zu verlieren
  • Wiederholen Sie dies mit einer Frequenz von 100–120 pro Minute

Hinweise:

  • Thoraxkompressionen sollten so früh wie möglich begonnen und so selten wie möglich unterbrochen werden!
  • Die Thoraxkompressionen sollten immer auf einer harten Unterlage erfolgen, also in der Regel auf dem Boden, nicht im Bett oder auf einer weichen Matratze. Sollte dies unumgänglich sein, muss entsprechend fester gedrückt werden.
  • Eine Begurtung im Oberkörperbereich muss grundsätzlich entfernt bzw. durchtrennt werden.
  • Ein dicker Neoprenanzug, bzw. ein dicker Unterzieher bei Trockentauchanzügen kann die Effektivität der Thoraxkompressionen beeinträchtigen und sollte nach Möglichkeit entfernt werden, sofern dies ohne Verzögerung des Beginns der Thoraxkompressionen und – bei einem Herzstillstand aufgrund einer Vergiftung – ohne viel Bewegung des Opfers möglich ist (z.B. Aufschneiden durch weiteren Helfer).
    • Ist das nicht möglich, muss die zusätzliche komprimierbare Strecke bei der Drucktiefe mit bedacht werden (z.B. 5 cm Drucktiefe + Neoprendicke).
  • Die Entfernung des Tauchanzugs ist auch deshalb anzustreben, da die (Be-)Atmung behindert werden kann und eine eventuell vorhandene, eng sitzende Halsmanschette den Blutfluss zum bzw. vom Gehirn erschweren kann.

Vorgehen beim Auffinden einer leblosen Person

"Prüfen - Rufen - Drücken"

Prüfen:

  • ob das Opfer erweckbar oder bewusstlos ist:
    • Zunächst laut ansprechen („Hallo, können Sie mich hören?“),
    • an den Schultern vorsichtig wachrütteln.
  • ob das Opfer noch normal atmet oder nicht:
    • Kopf überstrecken, um die Atemwege zu öffnen: Eine Hand auf die Stirn, 2 Finger unter das Kinn, Kopf reklinieren (nach hinten Neigen).

    • Eigenes Ohr über Mund und Nase des Patienten bringen,
    • Blickrichtung zum Brustkorb: 
    • Sehen der Brustkorbbewegungen,
    • Hören der Ausatemluft,
    • Fühlen der Ausatemluft im Gesicht.

(Bebilderte Anleitung im Detail: S. Stabile Seitenlage)

Rufen:

  • Umstehende gezielt zur Hilfe auffordern.
  • Notruf absetzen bzw. absetzen lassen (Europa Tel. 112), am besten Freisprechfunktion des Handys verwenden!

Drücken:

Basismaßnahmen ohne Beatmung (Hands only CPR)

Frühzeitig und gut durchgeführte Thoraxkompressionen ohne Beatmung sind wesentlich besser, als gar keine Thoraxkompressionen oder Zeitverlust durch schlecht durchgeführte Beatmung. Daher ist das alleinige Drücken ohne Beatmung vollkommen legitim und wird für Laienhelfer ausdrücklich empfohlen.

Sofern weitere Helfer vor Ort sind, sollte man sich alle 2 Minuten abwechseln, da sich sonst Erschöpfungseffekte einstellen und die Effektivität der Thoraxkompressionen abnimmt.

Die Wiederbelebungsversuche sollen immer solange durchgeführt werden, bis professionelle Hilfe eintrifft oder sie nicht mehr möglich ist (Erschöpfung). Gibt es einen behandelbaren Grund für den Kreislaufstillstand (z.B. Vergiftung), sollten parallel Maßnahmen bezüglich des Giftes ergriffen werden.

Die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung beim Kreislaufstillstand in sehr entlegenen Gebieten (professionelle Hilfe nicht innerhalb von 30-60 Minuten erreichbar)  ist je nach Ursache nicht sehr hoch, selbst, wenn man alles richtig gemacht hat.

Basismaßnahmen mit Beatmung

Wird eine Beatmung durchgeführt, so erfolgen immer nach 30 Thoraxkompressionen 2 Beatmungsversuche im Wechsel (30:2). Auch, wenn die Beatmung scheitern sollte, erfolgen nie mehr als 2 Versuche, da die Unterbrechung der Thoraxkompressionen so gering wie möglich gehalten werden muss.

Eine HLW mit Beatmung bietet sich an für fortgeschrittene Helfer, die in der Beatmung Übung haben oder noch besser in einer 2-Helfer-Situation mit einem Beatmungsbeutel. Auch der Beatmungsbeutel erfordert Übung und ist kein Garant für eine bessere Beatmung. Er hat allerdings neben der geringeren Infektionsgefahr den großen Vorteil, dass Sauerstoff angeschlossen werden kann.

Grundsätzlich wird bei Ertrinkungsunfällen – abweichend vom normalen Vorgehen – der Start mit 5 Beatmungen anstatt mit 30 Thoraxkompressionen empfohlen.

Die Grundsätze im Bereich „Basismaßnahmen ohne Beatmung“ gelten auch für die Wiederbelebung mit Beatmung.

Technische Durchführung der Beatmung

  • Falls Sie trainiert sind, machen Sie nach 30 Kompressionen die Atemwege durch Überstrecken des Kopfes und Anheben des Kinns wieder frei.
  • Lassen Sie den Mund sich öffnen, aber heben Sie weiterhin das Kinn an
  • Drücken Sie die Nasenflügel des Opfers zusammen, um ein Luftentweichen zu verhindern.
  • Atmen Sie normal ein und legen Sie Ihre Lippen um den Mund des Patienten und achten Sie auf eine gute Abdichtung
  • Blasen Sie gleichmäßig in den Mund, während Sie beobachten, dass sich der Brustkorb wie bei einer normalen Atmung in rund 1 s hebt; das ist eine effektive Beatmung
  • Nehmen Sie Ihren Mund von dem des Patienten, während Sie den Hals überstreckt und das Kinn angehoben halten, und beobachten Sie, wie der Brustkorb sich beim Entweichen der Luft senkt
  • Atmen Sie erneut normal ein und blasen Sie noch einmal Luft in den Mund, um eine weitere effektive Beatmung zu erzielen.
  • Unterbrechen Sie für 2 Beatmungen die Kompressionen nicht für mehr als 10 s, auch wenn eine der Beatmungen ineffektiv erscheint
  • Legen Sie dann Ihre Hände erneut auf die richtige Stelle auf dem Brustbein und führen Sie weitere 30 Thoraxkompressionen durch
  • Fahren Sie mit den Thoraxkompressionen und Beatmungen im Verhältnis 30:2 fort

Stayin' alive - der richtige Rhythmus

Das Lied „Stayin‘ alive“ von den Bee Gees wurde in der notfallmedizinischen Fach- und Laienwelt berühmt, da sein Takt – bei passendem Titel – mit 103 bpm genau die Geschwindigkeit vorgibt, mit der die Thoraxkompressionen (Herzdruckmassage) durchgeführt werden sollen (100 – 120 /min). 

Literatur

[1]           „ANZCOR, 2025, Guideline 4 – Airway“. Zugegriffen: 25. Juli 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.anzcor.org/assets/anzcor-guidelines/guideline-4-airway-220.pdf

[2]           T. M. Olasveengen u. a., „Basismaßnahmen zur Wiederbelebung Erwachsener (Basic Life Support)“, Notfall Rettungsmed, Bd. 24, Nr. 4, S. 386–405, Juni 2021, doi: 10.1007/s10049-021-00885-x.

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