Stand: 29.07.2026

Für alle Informationen auf dieser Website incl. aller Unterseiten und Verlinkungen gilt der Medical Disclaimer zu Gesundheitsthemen!

Stabile Seitenlage

Anleitungen wie diese können regelmäßiges Üben, zum Beispiel in Erste-Hilfe-Kursen der Hilfsorganisationen oder entsprechenden taucherischen Aufbau- und Spezialkursen (z.B. GDL CPR, GDL Medical Practice, GDL Medical Instructor des VDST, Emergency First Response-Kurse von PADI und ähnliche) nicht ersetzen. Bitte frischen Sie Ihre Fähigkeiten regelmäßig und rechtzeitig auf. 

Hintergrund

Hat eine Person das Bewusstsein verloren, atmet aber noch normal und hat auch einen Puls (was man als Laienhelfer dadurch erkennt, dass die Person atmet), so geht die größte Gefahr vom Ersticken aus. In einer tiefen Bewusstlosigkeit sind die Schutzreflexe ausgefallen, wie Husten, Schlucken, Würgen usw. Sammelt sich Flüssigkeit im Rachen, z.B. Wasser, Erbrochenes oder Speichel, führt das unbemerkt dazu, dass keine Luft mehr eingeatmet werden kann. Daher muss man bei Bewusstlosen dafür sorgen, dass Flüssigkeit ablaufen kann, der Mund sollte also der tiefste Punkt des Körpers sein. Außerdem kann es durch ein zu starkes Neigen des Kopfes nach vorne dazu kommen, dass die Atemwege durch anatomische Strukturen, wie den Zungengrund und den weichen Gaumen, verlegt werden. Daher muss auch immer der Kopf nach hinten geneigt („rekliniert“) werden. Man spricht auch von Überstrecken des Kopfes. Im deutschsprachigen Raum wird auch vom „Überstrecken des Halses“ gesprochen, da die Gelenke zum Überstrecken des Kopfes zur Halswirbelsäule (HWS) gehören. Insbesondere um Schäden an der HWS durch übermäßige Bewegungen zu vermeiden, wird das in einigen anderen Ländern jedoch strikt unterschieden [1]. Wer noch eine andere Form der Stabilen Seitenlage beherrscht, zum Beispiel aus früheren Erste-Hilfe-Kursen, kann diese ebenfalls anwenden, sofern es sich um eine offizielle Methode handelt, bei der sichergestellt ist, dass am Ende die Atemwege frei bleiben und der Verunfallte normal atmen kann.

ACHTUNG! 

Wenden Sie die Seitenlagerung nur an, wenn kein Grund besteht, mit Atemspende oder Thoraxkompressionen (CPR) zu beginnen [2].

Durchführung

Ablauf als Algorithmus

Auffinden einer (vermutlich) bewusstlosen Person:

  1. Vor Durchführung der Stabilen Seitenlage muss überprüft werden, ob die Person wirklich bewusstlos ist oder erweckt werden kann. Dies geschieht durch lautes Ansprechen und vorsichtiges Schütteln an den Schultern. Ist die Person erweckbar, ist die Stabile Seitenlage nicht erforderlich. 
    Stichworte:
    • Ansprechen
    • Anfassen

      Ist die Person nicht erweckbar, muss weitere Hilfe herbeigerufen und der Notruf abgesetzt werden. 

  2. Ist die Person nicht erweckbar, ist sofort die Atmung zu überprüfen. Dies geschieht wie folgt:
    • Person auf den Rücken drehen.
    • Sich selbst an der Seite des Opfers hinknien.
    • Kopf überstrecken.
      • Eine Hand auf die Stirne legen, zwei Finger unter das Kinn und dann den Kopf in den Nacken legen.
    • Eigenes Ohr nahe über Mund und Nase des Opfers halten, dabei auf den Brustkorb schauen. Die Ausatemluft kann gespürt, die Atmung gehört und die Brustkorbbewegungen bei der Atmung gesehen werden.
      Stichworte:
      • Sehen
      • Hören
      • Fühlen
    • Eine normale Atmung besteht aus regelmäßigenausreichend tiefen Atemzügen. Man kann sich dabei an der eigenen Atmung orientieren, wobei das Spektrum von ruhig (wie im Schlaf) bis schnell und tief (wie unter körperlicher Anstrengung) variieren kann.
      • Achtung! Treten nur sehr vereinzelt Atemzüge auf, auch und gerade, wenn diese außergewöhnlich tief sind, so handelt es sich nicht um eine normale Atmung, sondern um die sogenannte „Schnappatmung„, die optisch nichts mit „schnappen“ zu tun hat sondern Ausdruck eines mit Sauerstoff unterversorgten und damit sterbenden Atemzentrums im Gehirn ist. Die Schnappatmung als Lebenszeichen fehlzudeuten, kann Notfallzeugen dazu veranlassen, den Patienten in die Seitenlage zu verbringen, statt mir der Wiederbelebung zu beginnen. Das Risiko, zu spät mit einer Wiederbelebung zu starten, überwiegt das Risiko, eine Person wiederzubeleben, die keinen Kreislaufstillstand hat [2].
    • Ist man sich unsicher, ob eine normale Atmung vorliegt oder ist man sich sogar sicher, dass keine normale Atmung vorliegt, muss unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.
  3. Ist eine normale Atmung sicher vorhanden, wird die stabile Seitenlage durchgeführt [2]:
    • Knien Sie seitlich neben dem Betroffenen und vergewissern Sie sich, dass seine Beine gerade ausgestreckt sind.
    • Legen Sie den Ihnen zugewandten Arm rechtwinklig zum Körper mit der Handfläche nach oben.
    • Führen Sie den anderen Arm über die Brust und halten Sie den Handrücken gegen die Ihnen zugewandte Wange des Betroffenen.
    • Greifen Sie mit der anderen Hand das gegenüberliegende Bein knapp über dem Knie und ziehen Sie es nach oben, wobei der Fuß auf dem Boden bleibt.
    • Während Sie die Hand des Betroffenen weiterhin gegen die Wange drücken, ziehen Sie am entfernt liegenden Bein, um den Betroffenen auf die Seite zu drehen.
    • Richten Sie das oben liegende Bein so aus, dass Hüfte und Knie jeweils rechtwinklig gebogen sind.
    • Neigen Sie den Kopf nach hinten, um sicherzustellen, dass die Atemwege offen bleiben.
    • Korrigieren Sie die Hand unter der Wange, wenn nötig, sodass der Hals überstreckt bleibt und das Gesicht nach unten zeigt, um den Abfluss von Flüssigkeiten aus dem Mund zu ermöglichen.
    • Überprüfen Sie regelmäßig, ob eine normale Atmung vorhanden ist.
    • Lassen Sie den Betroffenen nur dann unbeaufsichtigt, wenn dies unbedingt erforderlich ist, z. B. um sich um andere Betroffene zu kümmern.

Es ist wichtig, dass kontinuierlich die Atmung überprüft wird. Das Opfer ist so lange zu überwachen bis es entweder aufwacht oder professionelle Helfer (Rettungsdienst) übernehmen. Wenn das Opfer trotz geöffneter Atemwege nicht mehr normal atmet, muss es auf den Rücken gedreht werden und es ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen.

Anleitung als Video

Technische Durchführung Schritt für Schritt

1) Bewusstsein überprüfen:

  • Laut ansprechen („Hallo, können Sie mich hören?“)
  • An den Schultern vorsichtig wachrütteln.
  • Ist das Opfer nicht erweckbar, sollte bereits jetzt weitere Hilfe hinzugezogen werden und der Notruf veranlasst werden (Europa: 112). Ist keine weitere Hilfe vor Ort verfügbar, sollte man die Freisprecheinrichtung des Mobiltelefons verwenden, während man selbst das Opfer weiter versorgt.

2 a) Kopf überstrecken, um die Atemwege zu öffnen:

  • Eine Hand auf die Stirn, 2 Finger unter das Kinn, Kopf reklinieren (nach hinten Neigen).

2 b) Atmung überprüfen:

  • Eigenes Ohr über Mund und Nase des Patienten bringen,
  • Blickrichtung zum Brustkorb: 
  • Sehen der Brustkorbbewegungen,
  • Hören der Ausatemluft,
  • Fühlen der Ausatemluft im Gesicht.

(Wenn das Opfer nicht normal atmet: Hier nicht weiter, sondern sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen!)

Wenn das Opfer zweifelsfrei normal atmet, Stabile Seitenlage herstellen:

  • Nahegelegenen Arm rechtwinklig nach oben legen (das Abwinkeln im Ellenbogengelenk ist gem. aktueller Leitlinien optional [3]).
  • Den gegenüberliegenden Arm heranziehen und die Handrückseite gegen das Gesicht des Opfers halten.
  • Das gegenüberliegende Bein im Knie (z.B. Kniekehle oder Hosenstoff) fassen und hochziehen.
  • Den Körper des Opfers zu sich heranziehen, wobei der Körper auf die Seite gedreht wird.

Das oben liegende Bein im Hüft- und Kniegelenk jeweils rechtwinklig anwinkeln, um die Lage zu stabilisieren.

  • Kopf überstrecken,
  • Mund öffnen,
  • Hand des Opfers unter den Kopf stecken, um die Lage des Kopfes zu sichern.

Achtung!

Der häufigste Fehler bei der Stabilen Seitenlage ist, dass das Opfer nach Herstellen der Lagerung nicht mehr auf eine möglicherweise eintretende Verschlechterung des Zustandes hin überprüft wird. 

Mit dem Herstellen der Stabilen Seitenlage ist die Versorgung NICHT beendet!!! SONDERN:

  • Die Atmung muss engmaschig weiterhin überprüft werden, bis die Person aufwacht oder professionelle Hilfe (Rettungsdienst) die Versorgung übernimmt.
  • Kommt es zu einem Atemstillstand ist unverzüglich mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen!
  • Kontinuierlich die Atmung überprüfen.

 

 

Literatur

[1]           „ANZCOR, 2025, Guideline 4 – Airway“. Zugegriffen: 25. Juli 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.anzcor.org/assets/anzcor-guidelines/guideline-4-airway-220.pdf

[2]           D. A. Zideman u. a., „Erste Hilfe: Leitlinien des European Resuscitation Council 2021“, Notf. Rettungsmedizin, Bd. 24, Nr. 4, S. 577–602, Juni 2021, doi: 10.1007/s10049-021-00886-w.

[3]           T. Djärv u. a., „European Resuscitation Council Guidelines 2025 First Aid“, Resuscitation, Bd. 215, S. 110752, Okt. 2025, doi: 10.1016/j.resuscitation.2025.110752.

Abbildungsnachweis

Alle Fotos / Abbildungen auf dieser Seite: (C) Stefan Dreesen, alle Rechte vorbehalten.

Medical Disclaimer (Haftungsausschluss für medizinische Inhalte)

The information provided on this website is for general informational and educational purposes only and is not intended as, nor should it be considered a substitute for, professional medical advice, diagnosis, or treatment. Always seek the advice of your physician or other qualified health provider with any questions you may have regarding a medical condition. Never disregard professional medical advice or delay in seeking it because of something you have read on this website.

While we strive to provide accurate and up-to-date information, no guarantee is given regarding the completeness, accuracy, reliability, suitability, or availability of the information contained herein. Reliance on any information provided on this site is solely at your own risk.

This website does not establish a doctor-patient relationship. The use of this website and its content does not create a physician-patient relationship between you and the authors, contributors, or anyone else affiliated with this website.

For users within the European Union and internationally: This disclaimer is intended to comply with applicable EU and international regulations, including but not limited to Directive 2011/24/EU on patients’ rights in cross-border healthcare. Social security and healthcare entitlements may vary by country; users are responsible for consulting local regulations and qualified professionals regarding their specific rights and obligations.

In case of a medical emergency, immediately call your local emergency services.

The authors and operators of this website disclaim any liability for any direct, indirect, incidental, or consequential damages arising from the use or misuse of the information provided.


Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Die Inhalte ersetzen keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt, Apotheker oder anderes qualifiziertes medizinisches Fachpersonal und dürfen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose oder zum Beginn, zur Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.

Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer einen Arzt Ihres Vertrauens. Die Nutzung der hier bereitgestellten Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung. Für Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus der Anwendung der dargestellten Informationen ergeben, übernehmen die Autoren und Betreiber der Website keine Haftung.

Im Falle eines medizinischen Notfalls verständigen Sie bitte unverzüglich die zuständigen Rettungskräfte.

Die medizinischen Erkenntnisse unterliegen einem ständigen Wandel durch Forschung und Entwicklung. Obwohl wir größte Sorgfalt auf die Richtigkeit und Aktualität der Inhalte legen, können wir keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität übernehmen.

Wichtiger Hinweis: Durch die Nutzung dieser Website kommt kein Arzt-Patienten-Verhältnis zustande.