Erste Hilfe
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Alle Zellen des Körpers benötigen zum Überleben Sauerstoff. Am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel reagieren die Gehirnzellen, so dass es ohne Sauerstoff zunächst zur Bewusstlosigkeit, einige Minuten später dann auch zum Absterben von Hirnzellen kommt. Auch das Herz ist empfindlich und reagiert auf Sauerstoffmangel zunächst mit Herzrhythmusstörungen und letztlich mit Totalversagen. Die größte Gefahr eines Sauerstoffmangels im Gehirn und Organen kommt durch einen Kreislaufstillstand zustande, da dann der Sauerstoff – selbst, wenn genug davon in der Lunge sein sollte – nicht mehr zu den Zellen transportiert werden kann, wo er benötigt wird. Erst an zweiter Stelle stehen primäre Störungen der Atmung.
Das Vorgehen beim Kreislaufstillstand bzw. bei einer Bewusstlosigkeit mit erhaltener Atmung findet sich in den Kapiteln Herz-Lungen-Wiederbelebung bzw. Stabile Seitenlage. Dieses Kapitel widmet sich primär den Unterschieden verschiedener Sauerstoffsysteme und Indikationen.
Die Durchführung der Beatmung kann in diesem Rahmen nicht gelehrt werden, dies erfordert Ausbildung und Übung. Ein guter Start sind entsprechende Kurse im Rahmen der Tauchausbildung (z.B. AK Medizin Praxis / GDL Medical Practice des VDST).
Solange der Patient eine ausreichende Eigenatmung besitzt, wird eine reine Sauerstoffgabe (-inhalation) angewendet. Man bietet dem Patienten also Sauerstoff an, den er selbstständig einatmen muss. Das ist das klassische Szenario nach einem Notaufstieg oder bei Symptomen einer DCS.
Bei einem Atemstillstand oder einer stark verminderten Atmung hingegen, z.B. durch muskellähmende Gifte, muss Luft – im Idealfall ebenfalls mit Sauerstoff angereichert – aktiv in die Lunge gepumpt werden, man spricht dann von Beatmung.
Sauerstoffflaschen sind in der Regel – genau wie herkömmliche Tauchflaschen auch – mit einem Druck von 200 bar gefüllt. Der Unterschied ist, dass in Sauerstoffflaschen keine Pressluft, sondern 100% Sauerstoff (O2) enthalten ist. Die Standardgröße von mobilen Sauerstoffflaschen, z.B. in Notfallrucksäcken, ist 2 Liter. Eine volle Flasche liefert nach der Rechnung 2 l x 200 bar also bei 1 bar Umgebungsdruck rund 400 Liter. Analog zu normalen Atemreglern beim Tauchen wird der Sauerstoff zunächst durch einen Druckminderer geleitet. Danach gibt es prinzipiell 2 unterschiedliche Arten der Sauerstoffabgabe: Konstant-Flow-Systeme, die einen in der Regel einstellbaren kontinuierlichen Sauerstofffluss von meist 0,5 – 15 l / min ermöglichen sowie Demandsysteme, bei denen der Sauerstoff nur fließt, wenn er durch Unterdruck (z.B. Einatmen) angefordert wird, analog der zweiten Stufe eines Atemreglers.
Die Vorteile von Demandsystemen sind zum einen, dass bei der Einatmung wirklich eine 100%ige O2-Konzentration erreicht wird, zum anderen, dass zwischen den Atemzügen kein Sauerstoff verschwendet wird. Nachteil ist jedoch, dass die Anwendung eine dicht sitzende Maske über Mund und Nase (Kunststoffgeruch und beengendes Gefühl, insbesondere, wenn man ohnehin Luftnot hat) oder ein Mundstück, wie bei einem Atemregler, in Kombination mit einer Nasenklemme (um nicht versehentlich Umgebungsluft durch die Nase mit einzuatmen und damit die eingeatmete Sauerstoffkonzentration massiv herabzusetzen) erfordert.
Achtung! Im Rahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung, insbesondere, wenn professionelle Hilfe schnell zur Stelle ist (Ballungszentren, gut ausgebaute Infrastruktur), soll nur beatmet werden, wenn man darin geübt und dazu fähig ist. Bei langen Wartezeiten auf einen professionellen Rettungsdienst oder bei Vergiftungen, die zu einer Lähmung der Atemmuskulatur führen, ist die Beatmung hingegen lebenswichtig. Sie sollte VORHER ausreichend in speziellen Kursen geübt werden.
Vgl. Herz-Lungen-Wiederbelebung
Vorbereitung: Sowohl für die Mund-zu-Nase als auch für die Mund-zu-Mund-Beatmung müssen zunächst die Atemwege freigemacht werden: Legen Sie die Person auf den Rücken und knien Sie sich seitlich neben den Kopf. Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf nach hinten, um die Atemwege freizumachen. Halten Sie dazu eine Hand an die Stirn und heben Sie mit der anderen Hand das Kinn an („Kopf überstrecken – Kinn anheben“).
Hinweis: Häufig ist die Mund-zu-Mund-Beatmung (s.u.) einfacher durchzuführen, da ein Entweichen von Luft durch die Nase manuell leichter zu verhindern ist, als durch den Mund.
Die Masken-Beutel-Beatmung erfordert Übung und Training.
Pharyngealtubus einlegen, wo vorhanden (s.u.)
Auswahl der Maske:
C-Griff:
Es sollte grundsätzlich Sauerstoff an den Beatmungsbeutel angeschlossen werden. Sauerstoff kann prinzipiell entweder über eine direkte Schlauchverbindung (schlechteste Methode) oder über einen Reservoir-Beutel oder aber über ein spezielles Demand-Ventil (beste Methode) angeschlossen werden.
Der Begriff „Pharyngealtubus“ leitet sich ab vom Pharynx (gr. Rachen) und Tubus (lat. Rohr). Es gibt zwei gängige Typen, den Guedeltubus, der durch den Mund eingeführt wird (Oropharyngealtubus) und den Wendltubus, der durch die Nase eingeführt wird (Nasopharyngealtubus). Erfahrungsgemäß erleichtert das Einlegen von Oropharyngealtuben spürbar die Masken-Beutel-Beatmung. Oropharyngealtuben sind im Internet für wenige Euro zu erwerben.
Der Wendltubus ist ein weicher Schlauch mit einer Abschlussplatte, der durch ein Nasenloch komplett eingeführt wird und hinter dem Zungengrund eine Luftbrücke zwischen Nase und Luftröhreneingang sicherstellt. Als richtige Größe wird die Strecke Nasenloch – Kieferwinkel angesehen. Sofern vorhanden, wird etwas Gleitgel aufgetragen und der Tubus vorsichtig unter leichten Drehbewegungen durch die Nase eingeführt. Die Einführrichtung folgt dabei NICHT dem Nasenrücken nach oben, sondern verläuft waagerecht, parallel zum Gaumen nach hinten!
Bei geschwollener Nasenschleimhaut kann das Einführen schwierig sein und im schlimmsten Fall zu Nasenbluten führen, wodurch der Atemweg des Patienten zusätzlich gefährdet werden kann. Er führt jedoch bei Menschen, die nicht tief bewusstlos sind zu deutlich weniger Würgereiz als der Guedeltubus und wird daher in der Regel auch bei wacheren Patienten gut toleriert.
Der Guedeltubus ist ein haken- bzw. fragezeichenförmiger Tubus aus hartem Kunststoff, der innen hohl ist und eine Luftbrücke zwischen Mund und Luftröhreneingang herstellen kann. Er führt über die Zunge hinweg, hält diese in Position und dient außerdem, da er zwischen den Zähnen zu liegen kommt – als Beißschutz. Als richtige Größe wird die Strecke Mundwinkel – Ohrläppchen abgemessen. Der Guedeltubus wird zunächst verkehrt herum, also mit der Spitze nach oben Richtung Gaumen, ungefähr bis zur Hälfte eingeführt und dann beim weiteren Vorschieben um 180° gedreht. Bei nicht tief bewusstlosen Patienten kann der Guedeltubus zu Würgereiz, im schlimmsten Fall zu Erbrechen führen. Zudem ist beim Einführen darauf zu achten, dass vorsichtig vorgegangen wird, da es sonst zu Verletzung von Zähnen und Mundschleimhaut mit Blutungsgefahr kommen kann.
Merke: Wer den Guedeltubus toleriert, verdient ihn auch.
(Patienten, die keinen Würgereiz beim Einführen haben, haben auch keine Schutzreflexe mehr und laufen ohne Guedeltubus Gefahr einer Atemwegsverlegung durch den Zungengrund.)

Goldstandard der Atemwegssicherung ist die endotracheale Intubation, die nur durch geübte und professionelle Helfer (i.d.R. Notärzte) mit entsprechender Ausrüstung durchgeführt werden kann und darf. Hierbei wird ein Beatmungsschlauch (Endotrachealtubus) direkt in die Luftröhre eingeführt. Er besitzt einen Ballon („Cuff“), der unterhalb der Stimmbänder mit Luft gefüllt wird und die Luftröhre komplett abdichtet. Damit ist a) eine vollständig kontrollierte Beatmung möglich und b) besteht ein Aspirationsschutz, es können also weder Flüssigkeiten noch Fremdkörper in die Lunge gelangen.
Professionelle Helfer, denen es nicht erlaubt oder möglich ist, eine endotracheale Intubation durchzuführen, können als Zwischending zwischen Masken-Beutel-Beatmung und Intubation sogenannte supraglottische Atemwege einlegen. Hierbei handelt es sich um Devices wie einen Larynxtubus oder eine Larynxmaske, die mit dem Hauptteil im Rachen zu liegen kommen und dort den Rachenbereich derart abdichten, dass die Luft direkt in die Luftröhre gelangt. Da sie nicht in der Luftröhre liegen, können sie diese auch nicht abdichten, es besteht daher kein Aspirationsschutz. Die Beatmung kann in vielen Fällen ähnlich gut durchgeführt werden, wie nach einer endotrachealen Intubation, es kann aber auch zu Undichtigkeiten kommen, die eine Beatmung erschweren oder unmöglich machen.
Die zuvor genannten Methoden der Sauerstoffgabe haben alle eines gemeinsam: Die Ausatemluft wird in die Umgebung abgeatmet, man spricht auch von „offenen“ Systemen. Ein geschlossenes Kreislaufsystem hingegen bedient sich des Prinzips eines Rebreathers oder eines Narkosegeräts aus dem OP.
Hierbei ist zu bedenken, dass von dem eingeatmeten Sauerstoff nur rund 4-5% in den Kreislauf übergehen, der Rest wird unverbraucht wieder ausgeatmet (bei normaler Luft also 16-17% von 21%, bei reinem Sauerstoff 95-96%). Da der Sauerstoff zu Kohlendioxid verstoffwechselt wird, sind entsprechend rund 4% mehr Kohlendioxid in der Ausatemluft enthalten. Die Ausatemluft wird durch einen speziellen Atemkalk geleitet und auf diese Art vom Kohlendioxid gereinigt, da zu viel davon negative Auswirkungen auf den Körper hat (Hyperkapnie). Durch einen minimalen Sauerstofffluss wird lediglich die kleine verbrauchte Sauerstoffmenge dem System wieder zugeführt.
Deutschsprachiges Video zur Sauerstoffanwendung bei Tauchern.
Hinweise zum Video:
[1] „Beatmung“, Notfallguru. Zugegriffen: 1. März 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.notfallguru.de/leitsymptome/skills/beatmung
[2] B. Jüttner u. a., „S2k guideline for diving accidents“, GMS Ger. Med. Sci., Bd. 21, 2023, doi: 10.3205/000315.
[3] J. Chimiak u. a., „Emergency Oxygen for Scuba Diving Injuries (EO2). Student Handbook“, Nr. 9th Edition, 2021, Zugegriffen: 4. März 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://dan.org/wp-content/uploads/2021/08/dan-emergency-oxygen-handbook-v3.pdf

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