Stand: 03.09.2026

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Sauerstoffanwendung

Hintergrund

Alle Zellen des Körpers benötigen zum Überleben Sauerstoff. Am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel reagieren die Gehirnzellen, so dass es ohne Sauerstoff zunächst zur Bewusstlosigkeit, einige Minuten später dann auch zum Absterben von Hirnzellen kommt. Auch das Herz ist empfindlich und reagiert auf Sauerstoffmangel zunächst mit Herzrhythmusstörungen und letztlich mit Totalversagen. Die größte Gefahr eines Sauerstoffmangels im Gehirn und Organen kommt durch einen Kreislaufstillstand zustande, da dann der Sauerstoff – selbst, wenn genug davon in der Lunge sein sollte – nicht mehr zu den Zellen transportiert werden kann, wo er benötigt wird. Erst an zweiter Stelle stehen primäre Störungen der Atmung.

Das Vorgehen beim Kreislaufstillstand bzw. bei einer Bewusstlosigkeit mit erhaltener Atmung findet sich in den Kapiteln Herz-Lungen-Wiederbelebung bzw. Stabile Seitenlage. Dieses Kapitel widmet sich primär den Unterschieden verschiedener Sauerstoffsysteme und Indikationen.

Die Durchführung der Beatmung kann in diesem Rahmen nicht gelehrt werden, dies erfordert Ausbildung und Übung. Ein guter Start sind entsprechende Kurse im Rahmen der Tauchausbildung (z.B. AK Medizin Praxis / GDL Medical Practice des VDST).

Sauerstoffinhalation vs. Beatmung

Solange der Patient eine ausreichende Eigenatmung besitzt, wird eine reine Sauerstoffgabe (-inhalation) angewendet. Man bietet dem Patienten also Sauerstoff an, den er selbstständig einatmen muss. Das ist das klassische Szenario nach einem Notaufstieg oder bei Symptomen einer DCS.

Bei einem Atemstillstand oder einer stark verminderten Atmung hingegen, z.B. durch muskellähmende Gifte, muss Luft – im Idealfall ebenfalls mit Sauerstoff angereichert – aktiv in die Lunge gepumpt werden, man spricht dann von Beatmung.

Sauerstofflasche

Sauerstoffflaschen sind in der Regel – genau wie herkömmliche Tauchflaschen auch – mit einem Druck von 200 bar gefüllt. Der Unterschied ist, dass in Sauerstoffflaschen keine Pressluft, sondern 100% Sauerstoff (O2) enthalten ist. Die Standardgröße von mobilen Sauerstoffflaschen, z.B. in Notfallrucksäcken, ist 2 Liter. Eine volle Flasche liefert nach der Rechnung 2 l x 200 bar also bei 1 bar Umgebungsdruck rund 400 Liter. Analog zu normalen Atemreglern beim Tauchen wird der Sauerstoff zunächst durch einen Druckminderer geleitet. Danach gibt es prinzipiell 2 unterschiedliche Arten der Sauerstoffabgabe: Konstant-Flow-Systeme, die einen in der Regel einstellbaren kontinuierlichen Sauerstofffluss von meist 0,5 – 15 l / min ermöglichen sowie Demandsysteme, bei denen der Sauerstoff nur fließt, wenn er durch Unterdruck (z.B. Einatmen) angefordert wird, analog der zweiten Stufe eines Atemreglers.

Die Vorteile von Demandsystemen sind zum einen, dass bei der Einatmung wirklich eine 100%ige O2-Konzentration erreicht wird, zum anderen, dass zwischen den Atemzügen kein Sauerstoff verschwendet wird. Nachteil ist jedoch, dass die Anwendung eine dicht sitzende Maske über Mund und Nase (Kunststoffgeruch und beengendes Gefühl, insbesondere, wenn man ohnehin Luftnot hat) oder ein Mundstück, wie bei einem Atemregler, in Kombination mit einer Nasenklemme (um nicht versehentlich Umgebungsluft durch die Nase mit einzuatmen und damit die eingeatmete Sauerstoffkonzentration massiv herabzusetzen) erfordert.

Typische Sauerstoffflasche mit Druckminderer und Dosiereinheit
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Verschiedene Formen der Sauerstoffgabe (Inhalation von Sauerstoff)

Konstant-Flow-Systeme

Nasensonde

  • Technik: Kaum noch angewendete Methode mit einem einzigen Sauerstoffschlauch, in der Regel mit einer weichen Schaumstoffdichtung, in einem Nasenloch.
  • Anwendbarer Flow:
    • bis 4 l/min.
  • Vorteile:
    • Angenehm zu tragen, engt nicht ein.
    • Einfach anzuwenden.
  • Nachteile:
    • Sehr geringe Anreicherung der Atemluft mit Sauerstoff.
    • Rutscht leicht wieder aus der Nase heraus.
    • In diesem Sinne für fast alle Notfälle ungeeignet und nicht zu empfehlen.
    • Sauerstoffverlust durch konstanten Fluss.
O2-Nasensonde
(C) Stefan Dreesen (KI-generiert) CC BY 4.0

Sauerstoffbrille

  • Technik: Schlauch mit jeweils einem Stutzen für jeden Nasenloch. System wird von vorne angelegt, eine Schlaufe links und rechts hinter die Ohren gelegt (daher der Begriff „Brille“ und unter dem Kinn durch zuziehen des Schlauches fixiert.
  • Anwendbarer Flow:
    • bis 6 l / min
  • Vorteile:
    • Angenehm zu tragen, engt nicht ein.
  • Nachteile:
    • Geringe Sauerstoffkonzentration bis 45% im Idealfall [1], nicht ausreichend für Tauchunfall.
    • Mundatmung bzw. Mundöffnung reduzieren die Sauerstoffkonzentration drastisch.
    • Richtige Anlage erfordert etwas Übung.
    • Sauerstoffverlust durch konstanten Fluss.
O2-Brille
(C) Stefan Dreesen

Sauerstoffmaske

  • Technik:
    • Mit Gummiband umgeschnallte Maske mit seitlichen Luftlöchern.
    • Varianten mit Reservoirbeutel erhältlich, der zwischen den Einatemzügen mit Sauerstoff gefüllt wird.
  • Anwendbarer Flow:
    • bis 15 l/min
  • Vorteile:
    • Höchste O2-Konzentration der traditionellen offenen Systeme, bei Verwendung eines Reservoirs bis >90% möglich [1].
    • Einfache Anwendung.
  • Nachteile:
    • Kunststoffgeruch
    • Gelegentlich Gefühl der „Einengung“, vor allem bei vorbestehender Atemnot.
    • Sauerstoffverlust durch konstanten Fluss. Therapiedauer bei einer 2 l – Flasche und einem Flow von 15 l/min = 26 Minuten.
    • Gefahr einer CO2-Rückatmung (Kohlendioxid) bei Flussraten unter 5 l/min.
Sauerstoffmaske ohne Reservoirbeutel
(C) Stefan Dreesen
Sauerstoffmaske mit Reservoirbeutel
(C) Stefan Dreesen

Demand-System

  • Technik:
    • Atemregler-ähnliches Mundstück in Verbindung mit einer Nasenklemme (bei Tauchern übliches System)
    • Mund-Nasen-Maske, die entweder durch einen Helfer luftdicht auf das Gesicht gehalten oder am Kopf mit Gummibändern straff fixiert wird.
  • Vorteile:
    • Höchste erreichbare Sauerstoffkonzentration von 100%.
    • Geringste Verschwendung von Sauerstoff, da Sauerstoff nur bei Einatmung abgegeben wird.
  • Nachteile:
    • Einatemwiderstand vorhanden (zur Öffnung des Demandventils ist Unterdruck erforderlich = muskuläre Atemarbeit).
    • Bei Verwendung eines Mundstücks Luftzuatmung über Nase möglich, immer Nasenklemme verwenden.
    • Bei Verwendung von Mund-Nase-Masken Einengung, luftdichtes Anbringen erforderlich.
Demand-System mit Mundstück und Nasenklemme
(C) Lisa Klapheck. Mit freundlicher Genehmigung (Ausschnitt)

Möglichkeiten der Beatmung

Achtung! Im Rahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung, insbesondere, wenn professionelle Hilfe schnell zur Stelle ist (Ballungszentren, gut ausgebaute Infrastruktur), soll nur beatmet werden, wenn man darin geübt und dazu fähig ist. Bei langen Wartezeiten auf einen professionellen Rettungsdienst oder bei Vergiftungen, die zu einer Lähmung der Atemmuskulatur führen, ist die Beatmung hingegen lebenswichtig. Sie sollte VORHER ausreichend in speziellen Kursen geübt werden.

Mund-zu-Nase bzw. Mund-zu-Mund-Beatmung

Vgl. Herz-Lungen-Wiederbelebung

Vorbereitung: Sowohl für die Mund-zu-Nase als auch für die Mund-zu-Mund-Beatmung müssen zunächst die Atemwege freigemacht werden: Legen Sie die Person auf den Rücken und knien Sie sich seitlich neben den Kopf. Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf nach hinten, um die Atemwege freizumachen. Halten Sie dazu eine Hand an die Stirn und heben Sie mit der anderen Hand das Kinn an („Kopf überstrecken – Kinn anheben“).

Reklination des Kopfes immer vor Beatmung
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Mund-zu-Nase-Beatmung

  1. Vorbereitung: Reklination des Kopfes, s.o.
  2. Verschließen des Mundes: Halten Sie den Mund der betroffenen Person mit einer Hand geschlossen, sodass keine Luft entweichen kann.
  3. Beatmung durchführen: Atmen Sie normal ein, setzen Sie Ihren Mund dicht um die Nase der Person und blasen Sie langsam und gleichmäßig Luft in die Nase, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt (ca. 1 Sekunde pro Beatmung).
  4. Luft entweichen lassen: Entfernen Sie Ihren Mund, damit die ausgeatmete Luft entweichen kann und beobachten Sie, ob sich der Brustkorb wieder senkt.
  5. Wiederholung: Im Rahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung beatmen Sie 2x im Wechsel mit 30 Herdruckmassagen.
  6. Hinweis: Wenn vorhanden, verwenden Sie nach Möglichkeit eine Beatmungsmaske, um sich selbst zu schützen.

Hinweis: Häufig ist die Mund-zu-Mund-Beatmung (s.u.) einfacher durchzuführen, da ein Entweichen von Luft durch die Nase manuell leichter zu verhindern ist, als durch den Mund.

Mund-zu-Nase-Beatmung
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Mund-zu-Mund-Beatmung

  1. Vorbereitung: Reklination des Kopfes, s.o.
  2. Verschließen der Nase: Halten Sie die Nase der betroffenen Person mit zwei Fingern zu, sodass keine Luft entweichen kann.
  3. Beatmung durchführen: Atmen Sie normal ein, setzen Sie Ihren Mund dicht um den Mund der Person und blasen Sie langsam und gleichmäßig Luft in die Nase, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt (ca. 1 Sekunde pro Beatmung).
  4. Luft entweichen lassen: Entfernen Sie Ihren Mund, damit die ausgeatmete Luft entweichen kann und beobachten Sie, ob sich der Brustkorb wieder senkt.
  5. Wiederholung: Im Rahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung beatmen Sie 2x im Wechsel mit 30 Herdruckmassagen.
  6. Hinweis: Wenn vorhanden, verwenden Sie nach Möglichkeit eine Beatmungsmaske oder ein Tuch, um sich selbst zu schützen.
Mund-zu-Mund-Beatmung
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Masken-Beutel-Beatmung

Die Masken-Beutel-Beatmung erfordert Übung und Training.

Pharyngealtubus einlegen, wo vorhanden (s.u.)

Auswahl der Maske:

  • Die Größe der Maske muss adäquat gewählt werden. Die schmale Seite wird an der Nasenwurzel aufgesetzt, die breite Seite kommt zwischen Unterlippe und Kinn zu liegen.

C-Griff:

  • Die Maske muss an allen Seiten luftdicht auf das Gesicht des Opfers gedrückt werden. Hierzu dient der C-Griff, bei dem Daumen und Zeigefinger ein „C“ bilden, dass den oberen Bereich der Maske umfasst.
  • Die Handfläche hilft mit, die Maske fest anzudrücken.
  • Die 3 übrigen Finger greifen in den Kiefer und ziehen den Kopf zurück (Überstrecken / in den Nacken legen).

Es sollte grundsätzlich Sauerstoff an den Beatmungsbeutel angeschlossen werden. Sauerstoff kann prinzipiell entweder über eine direkte Schlauchverbindung (schlechteste Methode) oder über einen Reservoir-Beutel oder aber über ein spezielles Demand-Ventil (beste Methode) angeschlossen werden.

C-Griff: Daumen und Zeigefinger formen ein "C" und dichten zusammen mit der Handfläche die Maske ab. Die restlichen 3 Finger ziehen den Kiefer vor und überstrecken den Kopf.
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Pharyngealtuben

Der Begriff „Pharyngealtubus“ leitet sich ab vom Pharynx (gr. Rachen) und Tubus (lat. Rohr). Es gibt zwei gängige Typen, den Guedeltubus, der durch den Mund eingeführt wird (Oropharyngealtubus) und den Wendltubus, der durch die Nase eingeführt wird (Nasopharyngealtubus). Erfahrungsgemäß erleichtert das Einlegen von Oropharyngealtuben spürbar die Masken-Beutel-Beatmung. Oropharyngealtuben sind im Internet für wenige Euro zu erwerben.

Wendltubus (Nasopharyngealtubus)

Der Wendltubus ist ein weicher Schlauch mit einer Abschlussplatte, der durch ein Nasenloch komplett eingeführt wird und hinter dem Zungengrund eine Luftbrücke zwischen Nase und Luftröhreneingang sicherstellt. Als richtige Größe wird die Strecke Nasenloch – Kieferwinkel angesehen. Sofern vorhanden, wird etwas Gleitgel aufgetragen und der Tubus vorsichtig unter leichten Drehbewegungen durch die Nase eingeführt. Die Einführrichtung folgt dabei NICHT dem Nasenrücken nach oben, sondern verläuft waagerecht, parallel zum Gaumen nach hinten!

Bei geschwollener Nasenschleimhaut kann das Einführen schwierig sein und im schlimmsten Fall zu Nasenbluten führen, wodurch der Atemweg des Patienten zusätzlich gefährdet werden kann. Er führt jedoch bei Menschen, die nicht tief bewusstlos sind zu deutlich weniger Würgereiz als der Guedeltubus und wird daher in der Regel auch bei wacheren Patienten gut toleriert.

Einlegen eines Wendltubus (vgl. Text)
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Guedeltubus (Oropharyngealtubus)

Der Guedeltubus ist ein haken- bzw. fragezeichenförmiger Tubus aus hartem Kunststoff, der innen hohl ist und eine Luftbrücke zwischen Mund und Luftröhreneingang herstellen kann. Er führt über die Zunge hinweg, hält diese in Position und dient außerdem, da er zwischen den Zähnen zu liegen kommt – als Beißschutz. Als richtige Größe wird die Strecke Mundwinkel – Ohrläppchen abgemessen. Der Guedeltubus wird zunächst verkehrt herum, also mit der Spitze nach oben Richtung Gaumen, ungefähr bis zur Hälfte eingeführt und dann beim weiteren Vorschieben um 180° gedreht. Bei nicht tief bewusstlosen Patienten kann der Guedeltubus zu Würgereiz, im schlimmsten Fall zu Erbrechen führen. Zudem ist beim Einführen darauf zu achten, dass vorsichtig vorgegangen wird, da es sonst zu Verletzung von Zähnen und Mundschleimhaut mit Blutungsgefahr kommen kann.

Merke: Wer den Guedeltubus toleriert, verdient ihn auch.

(Patienten, die keinen Würgereiz beim Einführen haben, haben auch keine Schutzreflexe mehr und laufen ohne Guedeltubus Gefahr einer Atemwegsverlegung durch den Zungengrund.)

Einlage eines Guedeltubus(vgl. Text)
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Endotracheale Intubation

Für die endotracheale Intubation ist die Darstellung der Stimmritze mithilfe eines Laryngoskops notwendig.
(C) Stefan Dreesen CC BY-ND 4.0

Goldstandard der Atemwegssicherung ist die endotracheale Intubation, die nur durch geübte und professionelle Helfer (i.d.R. Notärzte) mit entsprechender Ausrüstung durchgeführt werden kann und darf. Hierbei wird ein Beatmungsschlauch (Endotrachealtubus) direkt in die Luftröhre eingeführt. Er besitzt einen Ballon („Cuff“), der unterhalb der Stimmbänder mit Luft gefüllt wird und die Luftröhre komplett abdichtet. Damit ist a) eine vollständig kontrollierte Beatmung möglich und b) besteht ein Aspirationsschutz, es können also weder Flüssigkeiten noch Fremdkörper in die Lunge gelangen.

Supraglottischer Atemweg

Professionelle Helfer, denen es nicht erlaubt oder möglich ist, eine endotracheale Intubation durchzuführen, können als Zwischending zwischen Masken-Beutel-Beatmung und Intubation sogenannte supraglottische Atemwege einlegen. Hierbei handelt es sich um Devices wie einen Larynxtubus oder eine Larynxmaske, die mit dem Hauptteil im Rachen zu liegen kommen und dort den Rachenbereich derart abdichten, dass die Luft direkt in die Luftröhre gelangt. Da sie nicht in der Luftröhre liegen, können sie diese auch nicht abdichten, es besteht daher kein Aspirationsschutz. Die Beatmung kann in vielen Fällen ähnlich gut durchgeführt werden, wie nach einer endotrachealen Intubation, es kann aber auch zu Undichtigkeiten kommen, die eine Beatmung erschweren oder unmöglich machen.

Sonderform Kreislaufsystem

Die zuvor genannten Methoden der Sauerstoffgabe haben alle eines gemeinsam: Die Ausatemluft wird in die Umgebung abgeatmet, man spricht auch von „offenen“ Systemen. Ein geschlossenes Kreislaufsystem hingegen bedient sich des Prinzips eines Rebreathers oder eines Narkosegeräts aus dem OP.

Hierbei ist zu bedenken, dass von dem eingeatmeten Sauerstoff nur rund 4-5% in den Kreislauf übergehen, der Rest wird unverbraucht wieder ausgeatmet (bei normaler Luft also 16-17% von 21%, bei reinem Sauerstoff 95-96%). Da der Sauerstoff zu Kohlendioxid verstoffwechselt wird, sind entsprechend rund 4% mehr Kohlendioxid in der Ausatemluft enthalten. Die Ausatemluft wird durch einen speziellen Atemkalk geleitet und auf diese Art vom Kohlendioxid gereinigt, da zu viel davon negative Auswirkungen auf den Körper hat (Hyperkapnie). Durch einen minimalen Sauerstofffluss wird lediglich die kleine verbrauchte Sauerstoffmenge dem System wieder zugeführt.

  • Vorteile:
    • Höchste erreichbare Sauerstoffkonzentration von 100%.
    • Höchste Anwendungsdauer aller Systeme, da selbst der ausgeatmete Sauerstoff wieder „recycled“ wird. Eine Therapiedauer von bis zu 8 Stunden wird damit ermöglicht.
    • Aufgrund der langen Betriebsdauer beste Option für abgelegene Orte (Boot, abgelegene Tauchbasen), wo der Rettungsdienst eine lange Zeit benötigt.
  • Nachteile:
    • Komplexes System, benötigt Verständnis und Übung, sowohl im der Anwendung als auch im Zusammenbau.
    • Dicht sitzende Maske kann beengend wirken.
Wenoll-System
(C) Lisa Klapheck. Mit freundlicher Genehmigung.
Dos
  • Bei Atemnot oder Lähmungserscheinungen nach Vergiftung
    • So früh wie möglich Rettungsdienst verständigen.
    • Opfer ununterbrochen beaufsichtigen:
      • Mit Verschlechterung rechnen: Verlust des Bewusstseins oder – besonders schrecklich für das Opfer – Lähmung der Atemmuskulatur (v.a. Zwerchfell) bei erhaltenem Bewusstsein.
      • Frühzeitig bei Bewusstseinsverlust oder nicht mehr ausreichender Atmung mit der künstlichen Beatmung beginnen. Wenn möglich materiell und personell optimale Versorgung (Masken-Beutel-Beatmung mit Sauerstoff, bei Koma supraglottischer Atemweg oder falls möglich sogar Intubation (nur durch erfahrenen Arzt oder entsprechend trainierte Rettungskräfte)).
    • Wo vorhanden (z.B. sehr gut ausgestattetes Liveaboard) Monitoring von Sauerstoffsättigung, Blutdruck, EKG.
      • Tipp: Die Sauerstoffsättigung (SpO2) kann heutzutage mit den meisten Smartwatches in ausreichender Qualität gemessen werden! Eine normale Sättigung sollte bei >94% liegen.
    • Beim Tauchunfall oder Notaufstieg:
      • Immer Sauerstoff so früh wie möglich in der höchstmöglichen Konzentration geben!!!
      • Rechtzeitig Rettungsdienst verständigen, sofern es sich nicht um „reine“ Prophylaxe nach zu schnellem Aufstieg ohne Entwicklung von Symptomen handelt. Auch dann mindestens telefonische Rücksprache mit Taucherarzthotline halten [2].
    • Medizinische Hotlines können ggf. auch bei anderen Notfällen als reinen Tauchunfällen beratend zur Seite stehen. Sie sollten aber immer erst NACH dem örtlichen Rettungsdienst angerufen werden.
  •  
Dont
Don'ts
  • Beim Tauchunfall oder zur Prophylaxe nach einem Notaufstieg KEINEN Sauerstoff sparen, um länger damit auszukommen.
  • Pateinten am Sauerstoff NICHT unbeaufsichtigt lassen!

Videos

Deutschsprachiges Video zur Sauerstoffanwendung bei Tauchern.

Hinweise zum Video:

  1. Bei 03:07 sieht man einen Sauerstoffanschluss an einer Maske. Das ist typischerweise ein Feature von Erste-Hilfe-Masken zur Mund-zu-Masken-Beatmung, wie der hier verwendeten. Bei herkömmlichen Masken von Beatmungsbeuteln, die optisch eine große Ähnlichkeit haben,  dient der Anschluss an selber Stelle lediglich zur Befüllung oder Entlüftung des Maskenwulstes, um die Dichtigkeit zu optimieren.
  2. Die Beatmung über die MTV-Funktion (04:09) ist leider nicht ganz so komfortabel, wie man anhand des Videos annehmen könnte: Zum einen ist eine adäquate Technik erforderlich, um den Atemweg bei der Beatmung geöffnet zu halten (C-Griff, Kopf rekliniert, ggf. Anwendung von Oropharyngealtuben), zum anderen ist bei derartigen Systemen häufig ein extrem hohes Drucklimit von 60 cmH2O eingestellt [3]. Bereits bei weniger als der Hälfte dieses Drucks kann es aber bereits zu einer Beatmung in den Magen kommen, was insbesondere im Zusammenhang mit Ertrinken (wassergefüllter Magen) die Gefahr erhöht, dass Mageninhalt in die Atemwege läuft (Aspiration).

Literatur

[1]           „Beatmung“, Notfallguru. Zugegriffen: 1. März 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.notfallguru.de/leitsymptome/skills/beatmung

[2]           B. Jüttner u. a., „S2k guideline for diving accidents“, GMS Ger. Med. Sci., Bd. 21, 2023, doi: 10.3205/000315.

[3]           J. Chimiak u. a., „Emergency Oxygen for Scuba Diving Injuries (EO2). Student Handbook“, Nr. 9th Edition, 2021, Zugegriffen: 4. März 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://dan.org/wp-content/uploads/2021/08/dan-emergency-oxygen-handbook-v3.pdf

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