Weichtiere
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Bislang sind 4 verschiedene Arten von echten Blauringkraken bekannt:
Obwohl alle Oktopoden mehr oder weniger schwache Gifte besitzen, sind die Blauringkraken die einzigen Kraken, von denen Zwischenfälle mit tödlichem Ausgang gesicherts sind. Bei dem Gift handelt sich um das hochgiftige Tetrodotoxin, welches vor allem in den Speicheldrüsen konzentriert ist und beim Biss zusammen mit dem Speichel in die Wunde gelangt. Auch die anderen Körperteile enthalten das Gift und machen den Oktopus somit für potenzielle Fressfeinde ungenießbar. Noch immer ist nicht abschließend geklärt, wie das Gift in die Tiere gelangt. Es werden hier zwei Thesen diskutiert:
Weibliche Kraken übertragen das Gift auf ihre Eier, was den Nachwuchs schützt.
Auch Hapalochlaena spp. können in einem gewissen Umfang Farbe und Form ihres Körpers der Umgebung anpassen, was jedoch durch die auffälligen Ringe konterkariert wird. Allerdings sind sie allein schon aufgrund der geringen Größe häufig nicht leicht zu erkennen. Unter Stress bringen die Kraken blaue, irisierende (schimmernde, pulsierende), leuchtende Ringe – im Fall von H. fasciata am Mantel Streifen – zur Ausprägung. Die interessante Färbung und die sehr geringe Körpergröße, die von wenigen Zentimetern bis zu etwas über 20 cm Gesamtlänge (Mantel + Arme) beträgt, verleihen den Tieren ein niedliches Aussehen und bringen manche Menschen dazu, das Tier anzufassen oder gar in die Hand oder auf den Arm zu nehmen. Obwohl Blauringkraken im Allgemeinen als sehr friedlich gelten und eher die Flucht antreten, ist ihr Biss unbehandelt potenziell tödlich. Der Biss kann schmerzlos sein, was die frühe Einleitung von Rettungsmaßnahmen erschwert. Möglicherweise gibt es auch „trockene“ Bisse ohne Giftinjektion [2], jedoch ist es ratsam, nach einem Biss nicht davon auszugehen und in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe zu suchen.
H. lunulata ist die am weitesten verbreitete Art, die im Indopazifik sowie im West-Pazifik vorkommt, während H. fasciata und H. maculosa bislang nur in den Gewässern um Australien beobachtet wurden [3], [4], [5]. Von H. nierstraszi wurden nur einzelne Exemplare als Beifang von Fischern identifiziert. Sie scheinen in einer Tiefe von 20-30 m gefangen worden zu sein, was aber keinen Rückschluss auf die tatsächliche Ausdehnung des Lebensraums zulässt [6].
Datenquelle: iNaturalist.org (aufgeführt sind aus technischen Gründen nur die aktuellsten 200 Sichtungen, Sichtungen Community-based.)
Spezies
Verbreitungsgebiet
Wassertiefe
Australien, Indonesien, Indopazifik, Mikronesien, Papua-Neuguinea, Philippinen, Salomon-Inseln, Salomonen, Vanuatu, Weißes Meer, West-Pazifik
Australien (New South Wales (Ost-Australien), Süd-Australien, Tasmanien, West-Australien)
Golf von Bengalen, Singapur
(Nur einzelne Exemplare bekannt.)
*) Blauringkraken sind häufig auch in Gezeitentümpeln anzutreffen („Pfützen“, die bei Ebbe zurückbleiben), wo sie auch von Touristen aufgefunden werden können, die nicht tauchen oder schwimmen. Dies trifft insbesondere auf H. maculosa und H. fasciata zu.
Vor allem sehr junge Blauringkraken können mit teilweise nur wenigen Zentimetern extrem klein sein, was jedoch nicht automatisch auf eine geringere Giftigkeit schließen lässt. Zwar können Sie sich nicht so gut mit Form und Farbe anpassen wie andere Arten (die Überlebensstrategie fußt hier auf der Warnung vor der Giftigkeit), sind sie grundsätzlich nicht leicht zu erkennen. Wenn man sie allerdings einmal gesehen hat, ist die Kombination aus geringer Körpergröße und der typischen blau-leuchtenden Körperzeichnung eindeutig. Hierbei haben alle 4 Arten das typische Ringmuster auf dem Körper, H. fasciata weist als einzige Art auf dem Mantel blaue Streifen auf. Die Ringe auf dem Mantel sind bei H. maculosa kleiner und häufiger (50-60 Ringe, rund 2 mm), bei H. lunulata größer (rund 8 mm), dafür weniger (25). Zudem ist eine ungleichmäßige, höckrige Oberflächentextur bei H. lunulata als typisch beschrieben.
Der Biss eines Blauringkraken wird von den Betroffenen häufig gar nicht bemerkt und gelegentlich nur durch den Austritt von ein wenig Blut an der Bissstelle erkannt. Nicht einmal das ist obligat: Es liegt ein Fallbericht über einen tödlichen Unfall vor, in dem nur winzige Hautabschürfungen zu sehen waren und die Verletzung gerade einmal bis über die Dermis (mittlere Hautschicht) hinausging [7]. Da alle Blauringkraken bei Erregung ihre deutlichen blauen Ringe zeigen, ist die Identifizierung einfach, sofern das Tier zuvor gesehen wurde, man es also z.B. auf die Hand genommen hat (vgl. Video). Schwieriger wird es, wenn der Biss unbemerkt passiert, z.B. weil ein Taucher mit der bloßen Hand in eine Felsspalte greift, in der sich das Tier versteckt hält, oder wenn der Biss beim unbeschuhten Waten durch einen Gezeitentümpel entsteht. In diesen Fällen kann nur durch die auftretende Symptomatik Rückschluss auf den Auslöser gezogen werden. Symptome: S. Vergiftung.
Der Blauringkrake ist grundsätzlich sehr gut anhand der geringen Größe und dem eindeutigem blauen Ringmuster zu erkennen. Es ist davon auszugehen, dass ein Blauringkrake nur dann einen Menschen beißt, wenn er sich stark bedroht fühlt und keine Fluchtmöglichkeit hat, was bedeutet, dass fast immer die Ringe in deutlicher Ausprägung sichtbar sind. Grundsätzlich können diese aber – insbesondere im Vorfeld – auch blass und schlecht erkennbar sein.
Eine als harmlos angesehene Art lebt im Pazifik an der kanadisch-/amerikanischen Westküste von Alaska bis Mexiko und wird als kalifornische Zweipunktkrake (Two-spot octopus, Octopus bimaculoides oder kurz „Bimac“) bezeichnet. Sie besitzt unter jedem Auge einen blauen Ring.
Optisch dem Bimac ähnlich, sich vom Verbreitungsgebiet aber mit den echten Blauringkraken überschneidend, gibt es einige Vertreter der Gattung Amphioctopus. Die Giftigkeit ist bislang von der Wissenschaft noch nicht ausreichend erforscht. Möglicherweise enthalten diese Arten aber ebenfalls Tetrodotoxin und wären damit ähnlich giftig wie Hapalochlaena. Daher ist ihnen eine eigene Seite gewidmet.
Tetrodotoxin (TTX), ist eines der stärksten Nicht-Protein-Gifte. Die durchschnittliche tödliche Dosis für Menschen liegt bei 8,7 µg/kg [8]. Das Gift blockiert reversibel spannungsabhängige Natriumkanäle (NaV) von Nerven- und Muskelzellen. Die überwiegende Erfahrung mit Tetrodotoxinvergiftungen entstammt dem Verzehr von falsch zubereitetem Kugelfisch (Fugu), welcher in Asien, vor allem in Japan, als Delikatesse gilt und nicht zuletzt aufgrund der besonderen Zubereitungsarzt durch speziell lizensierte Köche sehr teuer ist. Die Symptome nach oraler Giftaufnahme werden in der Literatur als grundsätzlich identisch mit denen nach einer Injektion durch Biss geschildert. Hierbei kommt es auf der afferenten, also zum ZNS hinführenden Seite, zu Parästhesien (Gefühl von Kribbeln, Kitzeln, Stechen, Prickeln oder Brennen auf der Haut), auf der efferenten (vom ZNS wegführende Nervenimpulse) Seite zu einer zunehmenden Muskelschwäche. Die Vergiftung wird in 4 Schweregrade eingeteilt [9]:
Am Herzmuskel herrscht vor allem der TTX-resistente Natriumkanal NaV1.5 vor, so dass eine direkte Wirkung von TTX auf das Herz nicht oder nur bei sehr hohen Dosen zu erwarten ist [10], [11]. Inwieweit die in einigen Fällen beschriebenen kardialen Symptome also Sekundäreffekte aufgrund von Sauerstoffmangel oder Primärwirkungen bei sehr hohen Giftdosen waren, ist retrospektiv nicht mehr nachvollziehbar.
Bemerkenswert ist die Wirkung auf die Augenmuskulatur, die nicht nur eine Lähmung der Bulbusbewegung, sondern auch eine Erweiterung der Pupille verursachen kann. Hierdurch kann im Zusammenhang mit der Lähmung des restlichen Körpers der Eindruck einer tiefen Bewusstlosigkeit bzw. eines „Scheintodes“ entstehen, der Betroffene kann jedoch noch bei Bewusstsein sein und muss sofort beatmet werden, um nicht qualvoll zu ersticken.
Erste Symptome der Vergiftung zeigen sich in der Regel innerhalb weniger Minuten bis zu 6 Stunden. Sofern 6 Stunden nach Kontakt mit einem Blauringoktopus noch keine Vergiftungssymptome aufgetreten sind, ist eine stattgehabte Vergiftung sehr unwahrscheinlich [2].
Die meisten Unfälle entstehen, wenn unbedarfte Menschen die Tiere im Flachwasser entdecken und aufgrund ihres niedlichen Aussehens auf die Hand oder den Arm nehmen und mit ihnen „spielen“ (s. Video). Auch sind Unfälle beim Tauchen denkbar, wenn man in Felsspalten greift, ohne sich zuvor vergewissert zu haben, dass diese leer sind.
Für Taucher gibt es eine allgemeingültige Regel, die immer beherzigt werden sollte:
Tauche wie Dein Schatten – hinterlasse keine Spuren.
Da ein Schatten nie etwas anfasst, ist damit die Gefahr bereits gebannt. Manchmal ist es jedoch unerlässlich, sich zumindest vorübergehend an Felsen festzuhalten, z.B. bei starker Strömung. In diesem Fall helfen Handschuhe, die von den winzigen Oktopusschnäbeln nicht durchdrungen werden können. Im Meer werden die Blauringkraken allerdings immer die Flucht einer Konfrontation vorziehen.
Analog hierzu ist Menschen an Land zu raten, diesen Grundsatz ebenfalls zu beherzigen und nichts anzufassen, das man nicht genau kennt. Essenziell wichtig ist, dass Eltern auch ihre Kinder wiederholt entsprechend instruieren und beaufsichtigen.
Nochmal: Die beste Prävention ist, den Oktopus nicht anzufassen!
Für den Fall einer Vergiftung beim Tauchgang:
Dieser Clip zeigt anschaulich, wie winzig Bauringkraken sein können.
Typischer Touristenfehler: Die „niedlichen“ Blauringoktopusse werden in Unkenntnis der Giftigkeit angefasst und auf die Hand genommen.
[1] B. L. Whitelaw, I. R. Cooke, J. Finn, K. Zenger, und J. M. Strugnell, „The evolution and origin of tetrodotoxin acquisition in the blue-ringed octopus (genus Hapalochlaena)“, Aquat. Toxicol., Bd. 206, S. 114–122, Jan. 2019, doi: 10.1016/j.aquatox.2018.10.012.
[2] J. Meier und J. White, Hrsg., Handbook of clinical toxicology of animal venoms and poisons. Boca Raton: CRC Press, 1995.
[3] „Hapalochlaena maculosa Blauringkrake“. Zugegriffen: 26. Januar 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.meerwasser-lexikon.de/tiere/809_Hapalochlaena_maculosa.htm
[4] „Hapalochlaena fasciata Blaugestreifter Krake“. Zugegriffen: 26. Januar 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.meerwasser-lexikon.de/tiere/5896_Hapalochlaena_fasciata.htm
[5] „Hapalochlaena lunulata Blauringkrake“. Zugegriffen: 26. Januar 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.meerwasser-lexikon.de/tiere/810_Hapalochlaena_lunulata.htm
[6] „Hapalochlaena nierstraszi Blauring-Krake“. Zugegriffen: 26. Januar 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.meerwasser-lexikon.de/tiere/11635_Hapalochlaena_nierstraszi.htm
[7] D. Mebs, Gifttiere: ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker: mit 511 meist vierfarbigen Abbildungen, und 35 Formelzeichnungen, 3., neu Bearbeitete und Erweiterte Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2010.
[8] S. Li, „Treatment of Tetrodotoxin Poisoning“, Theor. Nat. Sci., Bd. 4, S. 370–376, Apr. 2023, doi: 10.54254/2753-8818/4/20220599.
[9] V. Bane, M. Lehane, M. Dikshit, A. O’Riordan, und A. Furey, „Tetrodotoxin: Chemistry, Toxicity, Source, Distribution and Detection“, Toxins, Bd. 6, Nr. 2, S. 693–755, Feb. 2014, doi: 10.3390/toxins6020693.
[10] Z. Li u. a., „Structural basis for pore blockade of the human cardiac sodium channel Nav 1.5 by tetrodotoxin and quinidine“, 30. Dezember 2019, Biophysics. doi: 10.1101/2019.12.30.890681.
[11] „Guideline 9.4.6 – Envenomation – Blue-Ringed Octopus and Cone Shell“, Your Site Name. Zugegriffen: 26. Januar 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.anzcor.org/home/first-aid-for-bites-stings-and-poisoning/guideline-9-4-6-envenomation-blue-ringed-octopus-and-cone-shell/
[12] R. Nakashima, Y. Nakata, M. Kameoka, N. Hayashi, K. Watanabe, und K. Yagi, „[Case of tetrodotoxin intoxication in a uremic patient]“, Chudoku Kenkyu Chudoku Kenkyukai Jun Kikanshi Jpn. J. Toxicol., Bd. 20, Nr. 2, S. 141–145, Apr. 2007.
[13] B. Alhatali u. a., „A cluster of tetrodotoxin poisoning in Oman“, Clin. Toxicol., Bd. 60, Nr. 2, S. 262–266, Feb. 2022, doi: 10.1080/15563650.2021.1917595.

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