Stand: 29.07.2026

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Allergische Reaktion / Anaphylaktischer Schock

Hintergrund

Eine Allergie ist eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems. Der Körper reagiert darauf wie auf einen gefährlichen Krankheitserreger und setzt dabei Entzündungsbotenstoffe wie Histamin frei, was Beschwerden wie Juckreiz, Hautausschlag, Schwellung, Niesen oder Atemprobleme auslösen kann. Sie kann bei harmlosen Stoffen wie Hühnereiweiß oder Latex auftreten, jedoch auch bei komplexeren Giften. Hierbei kann es sein, dass die Giftwirkung bzw. Menge relativ ungefährlich ist, die allergische Reaktion darauf jedoch lebensgefährlich wird, nämlich wenn es zum anaphylaktischen Schock kommt. Insbesondere komplexere Moleküle, wie Proteine (Eiweiße) können zu derartigen Reaktionen führen. 

Ein anaphylaktischer Schock ist die schwerste Form dieser allergischen Reaktion. Dann reagiert der ganze Körper sehr heftig: Die Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck fällt ab, und es kann zu Atemnot, Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit und lebensbedrohlichen Zuständen kommen. 

Neben Rötung und juckender Quaddelbildung der Haut – häufig großflächig oder am ganzen Körper – kommt es beim anaphylaktischen Schock zu Atemnot, häufig zu einer Verengung der Bronchien mit giemendem Atemgeräusch, im Grunde einem allergischen Asthmaanfall. Der Schock zeichnet sich zudem durch einen Blutdruckabfall (Hypotonie) in Kombination mit einem schnellen Herzschlag (Tachykardie) aus. Er ist lebensbedrohlich.

Bei Bienen- und Wespengiftallergien ist das Prinzip besonders gut bekannt: Das Gift enthält Eiweiße, die bei manchen Menschen als Allergen wirken. Insbesondere nach einem in der Vergangenheit bereits erfolgten Kontakt mit dem Gift „erinnert“ sich das Immunsystem an diesen Stoff und reagiert dann umso schneller und heftiger (Sensibilisierung). Während die meisten Menschen durch den Stich nur eine unangenehme Quaddel bekommen, ist er für entsprechende Allergiker lebensgefährlich.

Auch Gifte mariner Lebewesen können solche Reaktionen auslösen, vor allem wenn sie Proteinbestandteile enthalten. Beispiele sind manche Fisch-, Quallen- oder andere Meerestiergifte, bei denen der Körper nicht das „Gift“ im abstrakten Sinn erkennt, sondern bestimmte Eiweißstrukturen darin als Allergen.

Zahlreiche Todesfälle nach Vergiftung durch marine Lebewesen sind nicht auf die direkte Giftwirkung, sondern auf eine anaphylaktische Reaktion auf das Gift zurückzuführen.

Erkennen

Eine einfache Allergie macht sich in der Regel durch einen juckenden Ausschlag, häufig in Form von Quaddeln (Urtikaria) bemerkbar, der – je nach Schweregrad der Reaktion – auch an anderen Stellen als der Kontaktstelle zum Allergen auftreten kann.

Beim anaphylaktischen Schock kommt es zusätzlich zu folgenden typischen Symptomen:

  • Blässe (schlechte Hautdurchblutung durch Blutdruckabfall und Zentralisation)
  • Vegetative Symptome wie Angst, Unruhe, Kaltschweißigkeit
  • Atemnot, häufig mit giemendem Atemgeräusch („Quietschen“ der Bronchien, vor allem bei der Ausatmung)
    • Die Atemnot kann in schweren Fällen zur Zyanose (Blaufärbung von Lippen, Schleimhäuten und Haut) führen.
  • Zunehmende Bewusstseinsstörung bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Herz-Kreislauf-Stillstand
Dos

Allergische Reaktion allgemein:

  • Unterbrechung des Allergenkontakts
  • Person ruhig lagern und beobachten.
  • Frühzeitige Alarmierung des Rettungsdienstes, insbesondere bei Zeichen der Verschlechterung, insbesondere  Anschwellen von Lippen oder Zunge, Atemnot bzw. Atemgeräuschen oder Kreislaufproblemen. 

Anaphylaktischer Schock:

  • Frühzeitig professionelle Hilfe (Rettungsdienst) anfordern.
  • Bei Kreislaufstillstand Herz-Lungen-Wiederbelebung
  • Wichtig ist die sofortige Unterbrechung des Kontaktes zum Allergen, soweit noch Kontakt besteht: Vorsichtiges aber rasches Entfernen von Giftstacheln oder beispielsweise Tentakelresten von der Haut, ohne noch mehr Gift freizusetzen.
  • Manche Allergiker besitzen für den Notfall einen Adrenalin-Injektor (EpiPen). Dieser sollte in den oberen äußeren Quadranten des Oberschenkels appliziert werden. EpiPen ist ein zusammengesetztes Wort aus dem Synonym für Adrenalin, Epinephrin, und dem englischen Wort für Stift. Es ist ein Gattungsbegriff geworden, zahlreiche ähnliche Produkte unter anderem Namen sind auf dem Markt.
    • Achtung! Der Epi-Pen kann im Notfall durch normale Kleidung, wie Jeans,  hindurchstechen. Ein Neoprenanzug kann aber unter Umständen zu dick sein und sollte rasch entfernt (notfalls am Bein bis nach oben zur Hüfte hin aufgeschnitten) werden.
  • Schocklagerung (Flach auf den Rücken mit angehobenen Beinen)
  • Falls verfügbar, zweite Adrenalin-Dosis nach einigen Minuten erwägen, wenn die Beschwerden anhalten oder sich verschlechtern.
  • Nachbeobachtung ist wichtig, weil Symptome wiederkommen können; auch nach scheinbarer Besserung sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen.

Pro­fessio­nelle medi­zini­sche Hilfe

  • Erste-Hilfe-Maßnahmen wie zuvor beschrieben
  • Allergenexposition stoppen!
  • Adrenalin 0,5 mg i.m., auch wenn i.v.-Zugang bereits etabliert
    • Kinder 6-12 J.: 0,3mg i.m.
    • Kinder <6 J.: 0,15 mg i.m.
  • Bei Atemnot, Globusgefühl, pulmonaler Spastik zusätzlich:
    • Adrenalin 4 mg inhalativ
    • Sauerstoffgabe (hochdosiert, Maske)
    • Drohende Atemwegsverlegung: Frühzeitige Intubation (schwieriger Atemweg!)
  • Volumengabe (500-1.000 ml VEL i.v., dann nach Klinik)
  • Prolongierte schwere Reaktion / Schock:
    • Adrenalin 0,5 mg i.m. alle 5-10 min.
    • dann frühzeitig Adrenalin i.v. via Perfusor
      (als Überbrückung Adrenalin PushDose 10-20 µg i.v.)
      • 1 ml Adrenalin (Epinephrin) 1:1000 wird in eine 100 ml – Flasche NaCl 0,9% zugespritzt
      • 1 ml der entstandenen Lösung entspricht 10 µg Adrenalin (Epinephrin).
  • H1-Blocker (z.B. Dimetinden 0,1 mg/kg i.v. oder Clemastin 0,05 mg/kg i.v.) bei Urtikaria / Juckreiz
    • CAVE: Bei schneller Bolusgabe kann sich eine Hypotension verstärken.
  • Glucocorticoid z.B. Prednisolon oder Methylprednisolon 1-2 mg/kg i.v.
  • Überwachung bis Symptome völlig rückläufig sind.
  • Bei schwerer Symptomatik (≥1 Dosis Adrenalin nötig) Überwachung bis zum Folgetag

Videos

Benutzung eines EpiPens

Infos zur Anaphylaxie

Literatur

[1] T. Djärv u. a., „European Resuscitation Council Guidelines 2025 First Aid“, Resuscitation, Bd. 215, S. 110752, Okt. 2025, doi: 10.1016/j.resuscitation.2025.110752.
 
[2] Deutscher Rat für Wiederbelebung – German Resuscitation Council e.V. (GRC), Reanimation 2025 – Leitlinien kompakt, 1. Aufl. Ulm, 2025. Zugegriffen: 25. Oktober 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.grc-org.de/files/Contentpages/document/LeitlinienKompakt2025_22.10.2025.pdf
 
[3] „Notfallguru – Anaphylaxie“. Zugegriffen: 8. Juli 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.notfallguru.de/leitsymptome/allgemeines/anaphylaxie

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