Fische
Wiss. Name:
(Auflistung nach WoRMS Stand 01/2026)
Englisch:
Deutsch:
Die zur Familie der Scorpaenidae (Drachenköpfe) gehörenden Steinfische gelten als weltweit giftigste Fischarten und können für Menschen sogar tödlich sein. Die drei am häufigsten vorkommenden Arten, S. verrucosa, S. horrida und S. trachynis, erreichen in der Regel eine Körperlänge von etwa 20 cm, vereinzelt jedoch bis zu nahezu 50 cm. Die seltenen und meist kleineren Arten der Gattungen Caracanthus und Choriodactylus stehen den Steinfischen nahe. Darüber hinaus wird gelegentlich auch die Gattung Minous dem Verwandtschaftskreis der Steinfische zugeordnet [1].
Aufgrund ihrer ausgeprägten Tarnung in Form und Farbe, die häufig an Steine erinnert, was den Fischen ihren Namen gab, sind sie trotz ihrer Häufigkeit schwer zu erkennen [1]. Die Haut von Steinfischen der Gattung Synanceia ist schuppenlos und weist eine stark unregelmäßige Oberfläche mit zahlreichen warzenartigen Erhebungen auf. In der Haut befinden sich viele Schleimdrüsen, die ein zähes Sekret absondern und sowohl dem Schutz als auch der Tarnung dienen. Die Grundfärbung der Haut variiert je nach Art, Population und Lebensraum und umfasst unterschiedliche Braun-, Grau-, Gelb-, Rot- und Grüntöne. Diese Farbvariationen sind teils genetisch festgelegt, können sich jedoch im Laufe des Wachstums sowie in Abhängigkeit von Umweltbedingungen verändern und tragen wesentlich zur hervorragenden Tarnung der Tiere bei. Wie bei vielen Knochenfischen kommt es auch bei Steinfischen periodisch zu einer Ablösung von Schleim und oberflächlichen Epidermiszellen. Unmittelbar nach einer solchen Schleim- und Hauterneuerung wirken die Tiere häufig heller und kontrastreicher, bevor sich durch Pigmentierung und erneute Schleimabsonderung wieder die typische dunklere Tarnfärbung einstellt. Die außergewöhnlich effektive Tarnung der Steinfische beruht in erster Linie auf ihrer Körperform, Hautstruktur und Färbung, wird jedoch zusätzlich durch äußere Anlagerungen unterstützt. Aufgrund ihres meist reglosen Verhaltens können sich feine Algenbeläge, Detritus und Sandpartikel in den Vertiefungen der rauen, schleimigen Hautoberfläche festsetzen. Diese Auflagerungen verstärken den Eindruck eines bewachsenen oder sedimentbedeckten Untergrundes und lassen die Tiere nahezu vollständig mit ihrer Umgebung verschmelzen.
Synanceia sind Lauerjäger, die entweder auf dem Boden, auf Steinen oder in Korallenriffen, teilweise auch in den Sand eingegraben geduldig warten, bis die Beute vorbeischwimmt, die sie dann blitzschnell mit ihrem großen, nach oben gerichteten Maul einsaugen. Steinfische „gähnen“ hin und wieder, indem sie ihre Mäuler öffnen und die Kiemendeckel spreizen, um Schmutz und Parasiten aus ihren Kiemen zu entfernen.
Sie vermehren sich durch äußere Befruchtung: Die Weibchen legen ihre Eier ins Wasser, die anschließend von den Männchen befruchtet werden. Nach dem Schlüpfen treiben die Eier, bis Larven entstehen.
Wie lange Steinfische in der freien Natur leben, ist nicht genau bekannt, doch sie können mehrere Jahre alt werden. In Gefangenschaft erreichen manche Exemplare bei guter Pflege sogar ein Alter von über zehn Jahren [2].
Steinfische sind im tropischen Indopazifik weit verbreitet, insbesondere S. verrucosa kommt in der gesamten Region vor, wie vermutlich auch S. platyrhynchus, der aber nur selten angetroffen wird. S. horrida findet sich vorwiegend in Nordaustralien, Neuguinea, Indonesien und Südostasien, S. alula im westlichen Indischen Ozean, dem Roten Meer und im Golf von Aden während S. nana vor allem im Roten Meer und im Golf von Akaba zu finden ist [3]. Sie leben hauptsächlich in flachen Bereichen von Korallenriffen und graben sich teilweise in sandige oder schlammige Böden ein. Diese bodenbewohnenden Fische verlassen ihr Versteck nur selten und schwimmen meist nur kurze Strecken, was manchmal eher an Hüpfen erinnert.
Sie leben in einer Tiefe von 0 – 30 m, wobei insbesondere der Aufenthalt im Flachwasser in Kombination mit ihrer perfekten Tarnung und dem fehlenden Fluchtverhalten die Wahrscheinlichkeit erhöht, darauf zu treten [4]. Man geht davon aus, dass Steinfische bis zu 24 Stunden außerhalb des Wassers überleben können, zumindest, solange die Haut feucht gehalten wird [2], [5]. Somit sind Begegnungen auch außerhalb des Wassers nicht gänzlich ausgeschlossen.
Datenquelle: iNaturalist.org (aufgeführt sind aus technischen Gründen nur die aktuellsten 200 Sichtungen, Sichtungen Community-based.)
Um Steinfische identifizieren zu können, muss man sie erst einmal entdecken. Und das ist häufig sehr schwierig, weil sie zu den bestgetarnten Fischen im Meer gehören. Die Tiere zeichnen sich durch einen gedrungenen, teilweise nahezu kugelförmigen Körperbau aus. Die Augen sind hoch am Kopf positioniert und liegen eng beieinander. Die große Mundöffnung ist nach oben gerichtet und verläuft fast senkrecht zur Körperachse. Markant sind zudem die großen Brustflossen und die durchgehende Rückenflosse. Anstelle von Schuppen ist die Haut mit warzenartigen Erhebungen bedeckt, die häufig von Algen bewachsen sind. Die Farbgebung variiert – sie kann grünlich, grau oder braun gefleckt sein – und passt sich optimal dem jeweiligen Untergrund an [1].
Der Hauptmechanismus einer Steinfischvergiftung liegt darin, dass das Opfer im flachen Wasser oder im Bereich des Riffdachs auf einen Steinfisch tritt, weil es diesen nicht gesehen hat. Der Steinfisch flieht nicht bei drohender Gefahr, sondern verlässt sich auf seine exzellente Tarnung. Bei Gefahr stellt er seine giftigen Rückenstacheln auf, die mit Leichtigkeit auch die Sohle der meisten Strandschuhe durchdringen können.
Des Weiteren kommt es z.B. beim Hantieren der Tiere in Aquarien oder in der Fischerei, z.B. Lösen vom Angelhaken oder Befreiung des als Beifang ins Netz gegangenen Tieres zu Stichverletzungen.
Typische Symptome sind ein extrem starker brennender Schmerz, der sich in den folgenden Minuten steigert. Es kommt in der Regel zu Schwellung und Rötung. Weiteres s. Abschnitt Vergiftung.
Typisch für Steinfische ist das Maul, das oft als nach oben gerichteter, halbmondförmiger Spalt erkennbar ist.
Der Steinfisch gilt als giftigster Fisch der Welt. Obwohl auch drei Strahlen der Afterflosse und zwei der Bauchflosse Giftdrüsen enthalten, sind insbesondere die 13 kurzen, kräftigen Strahlen der Rückenflosse mit Giftdrüsen ausgestattet. Jeder dieser Knochenstrahlen besitzt zwei längs verlaufende Rinnen, die in ihrer unteren Hälfte jeweils ein Drüsenpaket beherbergen. Ein feiner Ausführungsgang transportiert das Drüsensekret zur Spitze des Stachels. Eine dicke Hautscheide umschließt sowohl die Drüsen als auch den Stachel. Beim Eindringen des Stachels in das Opfer schiebt sich die Haut zurück, wodurch die Drüsen durch den entstehenden Druck entleert werden und das Sekret durch die Ausführungsgänge in die Wunde gelangt. Für eine Giftinjektion ist ein Eindringen des Stachels von etwa 0,6 bis 1,0 cm erforderlich. Auch an After- und Bauchflossen befinden sich Giftstacheln. Die Strahlen der Brustflosse sowie die knöchernen Dornen am Kopf stehen hingegen nicht mit Giftdrüsen in Verbindung [1].
Das Toxin besteht aus einem Gemisch hochmolekularer Proteine. In experimentellen Tiermodellen verursacht das Steinfischgift einen AV-Block sowie Kammerflimmern, einen ausgeprägten Blutdruckabfall und eine Lähmung der Skelettmuskulatur. Die neuromuskuläre Lähmung wird sowohl auf eine verstärkte Freisetzung von Neurotransmittern als auch auf eine direkte Schädigung von Nerven- und Muskelgewebe zurückgeführt.
Aus verschiedenen Spezies konnten verschiedene Gifte isoliert werden, u.a.:
Alle Toxine von Steinfischen sind Proteinkomplexe aus der Familie der porenbildenden Proteine (Perforine). Sie schädigen Zellmembranen und verursachen dadurch Kreislaufprobleme sowie starke Schmerzen. Zusätzlich enthält das Gift eine hochaktive Hyaluronidase, die als sogenannter „spreading factor“ wirkt, indem sie die Zellzwischenräume erweitert und so die Verbreitung des Giftes erleichtert.
Wie bei allen Giften scheint auch beim Steinfisch die Dosis eine relevante Rolle zu spielen, wobei Todesfälle beschrieben sind, insgesamt aber sehr selten berichtet werden.
Typische Symptome umfassen:
Die größte Gefahr besteht darin, von oben auf einen Steinfisch zu treten. Die Stacheln der Rückenflosse sind sehr robust und können mit Leichtigkeit auch dünnere Sohlen, wie z.B. Strandschuhe und Flip Flops durchdringen, wenn mit entsprechender Belastung auf den Fisch getreten wird. Diese bieten also keinen hinreichenden Schutz. Wie auch zur Prävention von Rochenstichen empfiehlt es sich grundsätzlich, einen unbekannten Flachwasserbereich besonders aufmerksam, mit möglichst dicken Schuhen und eher schlurfend zu durchqueren, da eine seitliche Berührung mit dem Fuß nicht das gesamte Körpergewicht auf den Giftstachel bringt. Der Steinfisch besitzt allerdings auch im Bereich von After- und Bauchflossen Giftstacheln, so dass ohne entsprechendes Schuhwerk auch bei einer seitlichen Berührung eine Vergiftung nicht ausgeschlossen ist, besonders, wenn der Fisch in die Hand genommen wird [1].
Für Taucher gilt immer der bekannte Grundsatz, niemals unter Wasser etwas anzufassen und die eigene Tarierung zu beherrschen bevor man sich ins Korallenriff begibt [8], [9], [10]. Sollte es doch einmal zu einer Situation kommen, in der man sich am Riff festhalten muss, z.B. bei einer akuten und plötzlichen Strömung, sollte man sich immer der möglichen Gefahren bewusst sein und gezielt nach getarnten Lebewesen suchen, um nicht in sie hineinzufassen.
Steinfische greifen Taucher nicht an, es ist aber nicht ausgeschlossen dass sie doch mal aufgeschreckt werden und sich dann ruckartig bewegen.

Der Steinfisch bei „Rivermonsters“.
Diese Steinfische vor Sumatra wären vom Filmer aufgrund ihrer Tarnung fast übersehen worden.
Ein Clip von National Geographic.
Ein kurzer Clip, der ebenfalls die Tarnfähigkeit verdeutlicht.
[1] Gifttiere Ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker, 4. neu bearbeitete und Erweiterte Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2025.
[2] „Stonefish: The Venomous Australian Reef Fish | STC“. Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://skillstrainingcollege.com.au/stonefish-synanceia-verrucosa/
[3] C. M. Davila, „Stone Fish Top 12 Facts | Ocean’s Most Venomous Fish“, Wildlife Nomads. Zugegriffen: 13. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.wildlifenomads.com/blog/stone-fish-facts/
[4] „Synanceia verrucosa summary page“, FishBase. Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.fishbase.us/summary/Synanceia-verrucosa.html
[5] N. Wilson, „Synanceia horrida“, WA Museum Collections. Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://museum.wa.gov.au/online-collections/names/synanceia-horrida
[6] N. Long, „Stonefish“, Life in the Fast Lane • LITFL. Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://litfl.com/stonefish-toxinology/
[7] S. L. Saggiomo, S. Peigneur, J. Tytgat, N. L. Daly, und D. T. Wilson, „Interrogating stonefish venom: small molecules present in envenomation caused by Synanceia spp.“, FEBS Open Bio, Bd. 15, Nr. 3, S. 399–414, Nov. 2024, doi: 10.1002/2211-5463.13926.
[8] C. Pauda, „10 brandneue Tipps zur Rettung der Meere“. Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://blog.padi.com/de/10-brandneue-tipps-zur-rettung-der-meere/
[9] dotindot Kft, „About CMAS/Structure/The 10 golden rules“. Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://archives.cmas.org/114-29577.php?commission=
[10] „Join the Blue Oceans community and become a Blue Oceans Diver today!“ Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.divessi.com/en/get-certified/environment/blue-oceans
[11] J. Armstrong, K. Harris, C. Wylie, und K. Z. Isoardi, „Suspected Stonefish Sting Treatment Pathway“, Clinical Toxicology, Bd. 61, Nr. 11, S. 956–960, Nov. 2023, doi: 10.1080/15563650.2023.2287976.
[12] Seqirus Pty Ltd, „Consumer Medicine Information (CMI): Stonefish Antivenom“. Zugegriffen: 11. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.nps.org.au/assets/medicines/46b56d8f-4583-4c20-a1b3-a53300feae43.pdf

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