Stand: 03.09.2026

Blauer Drache

Wiss. Name:

  • Familie Glaucidae
  • Glaucus spp.
    • Glaucus atlanticus (Hauptvertreter)
  • Glaucilla spp.
    • Glaucilla benettae
    • Glaucilla marginata u.a.

Englisch:

  • Blue Angel
  • Blue Ocean Slug
  • Blue Sea Dragon
  • Blue Sea Slug
  • Sea Swallow

Deutsch:

  • Blauer Drache
  • Blaue Ozeanschnecke
  • Seeschwalbe
Glaucus atlanticus im Freiwasser
(C) Ben Jobson CC BY 4.0
All­ge­meines
und Bio­logie
Vorkommen
Vor­kom­men
Erkennen
Er­ken­nen
Verwechslungsgefahr
Ver­wechs­lung
Giftwirkung
Ver­giftung
Prävention
Prä­ven­tion
Erste Hilfe
Erste Hilfe
Professionelle Maßnahmen
Pro­fessio­nel­le
Maß­nah­men

Allgemeines und Biologie

Glaucidae sind eine Familie von zu den Nacktkiemern gehörenden Fadenschnecken und leben pelagisch, also im offenen Meer. Durch luftgefüllte Auftriebskörper treiben sie in der Regel an der Wasseroberfläche. Der bekannteste Vertreter der Familie, Glaucus atlanticus, erreicht eine Größe von ca. 3-5 cm. Die Unterseite ist silbrig-grau, um von unten gegen die Wasseroberfläche schlechter erkennbar zu sein. Von oben betrachtet zeigt sich ein typisches tiefblaues Muster, das der Schnecke ein fast juwelenartiges Aussehen verleiht. Der Körper hat seitlich Ausstülpungen, die vor allem dem Auftrieb dienen. An deren Ende wiederum finden sich büschelartig angeordnete Fortsätze, die Cerata genannt werden.  Der Begriff „Cerata“ stammt vom griechischen Wort „keratos“, was „Horn“ bedeutet.  Wie alle Fadenschnecken sind die Tiere Zwitter. Die Nachkommen sind zunächst ungiftig, lagern aber im Laufe der Zeit Nesselkapseln ihrer Beute ein: Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Quallen und Physalia spp. (Portugiesische Galeere) [1]. Sobald die Schnecke deren Nesselzellen (Nematocysten) aufnimmt – was sie schafft, ohne diese auszulösen – bleibt ein Teil davon unverdaut, passiert das Verdauungssystem und wird in die Cerata eingebaut. Man nennt diese „gestohlenen“ Nesselkapseln Kleptocnidae. Hierbei findet offenbar eine Selektion der größten und stärksten Nesselkapseln statt, um die Verteidigungswirkung zu maximieren. Nach dem Transport zu den Cerata wird die Nematocyste in einem Sack an der Spitze der Cerata gespeichert. Tritt Kontakt mit menschlicher Haut auf, feuert die Nematocyste, ähnlich wie bei echtem Kontakt zur Physalia, und verabreicht ihr Gift [2], [3], [4]. Die Spezies weisen zahlreiche Ähnlichkeiten auf, werden jedoch vom WoRMS als einzelne Arten geführt [5], [6]. Glaucilla bennettae hat beispielsweise auf dem Notum eine breite blaue Fläche und nicht die blauen Streifen wie Glaucus atlanticus. Glaucilla bennettae ist außerdem auch kleiner [7].

Vorkommen

Glaucilla spp. können durch Verschlucken von Luft Auftrieb erzeugen und sind dann häufig an der Wasseroberfläche zu finden, sie wurden aber generell in Tiefen von 0 – 37 m gefunden. Immer wieder werden auch Exemplare an Küsten angespült [8]. Glaucus antlanticus beispielsweise ist In allen Tropenregionen weltweit anzutreffen.

Glaucus atlanticus



Glaucus spp.



Glaucilla spp.


Datenquelle: iNaturalist.org (aufgeführt sind aus technischen Gründen nur die aktuellsten 200 Sichtungen, Sichtungen Community-based.)

Erkennen

Erkennen des Tieres

Glaucus und Glaucilla spp. sind kleine Schnecken, die durch ihre typische tiefblaue Färbung Streifung und die fächerförmig angeordneten Cerata ein sehr eigenes Aussehen haben. Sie sind aufgrund ihrer geringen Größe grundsätzlich schwer zu erkennen, wenn sie aber einmal gesichtet wurden, leicht zu identifizieren (s. Fotos). Eine Unterscheidung der Spezies in Glaucus spp. und Glaucilla spp. hingegen ist etwas schwieriger und führt an dieser Stelle zu weit.

Erkennen der Folgen

Ver­wechs­lungs­möglich­keiten

Nicht optisch aber dem Namen nach kann es Verwechslungen zu Pteraeolidia ianthina (endemisch ins Australien) undPteraeolidia semperi (weit verbreitete tropische Art) geben, ebenfalls mit Kleptocnidae bewehrten Schnecken, die auch als „blauer Drache“ bezeichnet werden, weil sie große Ähnlichkeit zu den Drachen aus der chinesischen Mythologie aufweisen. Die Nesselkapseln sind für den Menschen schwächer als beispielsweise von Glaucus atlanticus.

Pteraeolidia semperi in einem Riff in Sulawesi, Indonesien

Vergiftung

Die Giftwirkung entspricht der der zuvor von der Schnecke (zumindest teilweise) verspeisten Physalia spp., wobei die Kontaktfläche zwar relativ gering ist und in der Regel keine lebensgefährlichen Vergiftungen zu erwarten sind, der Kontakt aber aufgrund der Selektion der stärksten Nematocysten bezogen auf die Kontaktfläche deutlich heftiger ausfallen kann [9]. Der Schmerz kann sehr stark sein und wird häufig als elektrisierend beschrieben. Fallberichte existieren in der Fachliteratur kaum, Berichte aus Laienmedien führen in der Regel vor allem lokale Reaktionen wie – zuweilen sehr starker – Schmerz, Schwellung, Rötung an, die Stunden bis Tage anhalten können. Übelkeit, Erbrechen und vegetative Allgemeinsymptome werden ebenfalls berichtet.

Vgl. Physalia spp.

Im Jahr 2024/2025 kam es an spanischen Küsten (z.B. Alicante, Valencia) zu zeitweisen Strandschließungen, nachdem vermehrt Glaucus atlanticus gesichtet wurden. Die Behörden warnten explizit vor „schmerzhaften Vernesselungen“, die über das Maß gewöhnlicher Quallen hinausgehen können [10].

Wie bei allen proteinbasierten Giften ist bei prädisponierten Personen eine allergische Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock möglich.

Prävention

Siehe Physalia spp. Die Exemplare sollten nicht angefasst werden, auch, wenn zahlreiche Youtube-Videos etwas anderes suggerieren und im Kontrast zu der auch dort meist ausgesprochenen Warnung zeigen, dass irgendjemand die Tiere dennoch in die Hand nimmt. Achtung: Häufig schwimmen sie in diesen Videos in einer Wasserpfütze und berühren nicht die Haut der gefilmten Person. Zudem ist die Haut mancher Erwachsener an den Händen oft sehr dick und unempfindlicher als an anderen Körperstellen oder generell bei Kindern.  Auch tote Exemplare können nesseln! Kinder sollten grundsätzlich beaufsichtigt werden.

Erste Hilfe

Die Hauptwirkung wird durch Nesselkapseln von Physalia spp. erzielt, so dass die Maßnahmen dieselben sind, die sich auch bei Physalia wirksam zeigen. Da noch unklar ist, inwieweit es hinsichtlich Giftwirkung und Nesselkapseln Unterschiede zwischen den einzelnen Physalia spp. gibt, sollten immer spezifische Maßnahmen für die lokal vorherrschende Art ergriffen werden. Klare Empfehlungen gibt es hier im Wesentlichen nur für die „Blue bottle“ (Physalia utriculus) vor Australien. Vgl. Physalia spp.

Pro­fessio­nelle medi­zini­sche Hilfe

No Antidote Available. Please re-check, if this Info ist still up-to-date!Die Hauptwirkung wird durch Nesselkapseln von Physalia spp. erzielt, so dass die Maßnahmen dieselben sind, die sich auch bei Physalia wirksam zeigen.

Weitere Bilder

Am Strand angespültes Exemplar von Glaucus atlanticus
(C) Thomas Mesaglio. CC BY 4.0
Größenvergleich mit Finger
(C) Thomas Mesaglio. CC BY 4.0
Größenvergleich mit Kugelschreiber
(C) Thomas Mesaglio. CC BY 4.0

Videos

Schöne Übersicht über den „Blue Dragon“ und die Aufnahme seiner Nesselzellen aus Physalia.

Ein Youtube-Short, der davor warnt die Tiere in die Hand zu nehmen und trotzdem das Gegenteil zeigt.  Sträflich.

Literatur

[1]           G. Yamamoto, N. Kanai, T. Miura, und K. Oguchi, „Blue angels have devil hands: Predatory behavior using cerata in Glaucus atlanticus“, Ecology, Bd. 106, Nr. 3, S. e70062, 2025, doi: 10.1002/ecy.70062.

[2]           P. T. Ottuso, „Aquatic antagonists: indirect nematocyst envenomation and acute allergic contact dermatitis due to nudibranchs“, Cutis, Bd. 83, Nr. 5, S. 237–239, Mai 2009.

[3]           T. E. Thompson und I. Bennett, „Physalia Nematocysts: Utilized by Mollusks for Defense“, Science, Bd. 166, Nr. 3912, S. 1532–1533, Dez. 1969, doi: 10.1126/science.166.3912.1532.

[4]           Gifttiere Ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker, 4. neu bearbeitete und Erweiterte Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2025.

[5]           „WoRMS – World Register of Marine Species – Glaucidae J. E. Gray, 1827“. Zugegriffen: 6. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.marinespecies.org/aphia.php?p=taxdetails&id=23046

[6]           A. Valdes und O. Angulo, „Systematics of Pelagic Aeolid Nudibranchs Of The Family Glaucidae (Mollusca, Gastropoda)“, Bulletin of Marine Science, Bd. 75, S. 381–389, Nov. 2004.

[7]           „Glaucus atlanticus Blaue Ozeanschnecke, Seeschwalbe, Blauer Drachen“. Zugegriffen: 31. Dezember 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.meerwasser-lexikon.de/tiere/4723_Glaucus_atlanticus.htm

[8]           „Glaucus atlanticus, Blue glaucus“. Zugegriffen: 10. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.sealifebase.se/summary/Glaucus-atlanticus.html

[9]           W. B. jurisdiction=New South Wales; corporateName=Australian Museum; author=Rudman, „The Sea Slug Forum – Glaucus atlanticus“. Zugegriffen: 10. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: http://www.seaslugforum.net/find/7151

[10]        „Blue dragon: Beaches closed in southern Spain over poisonous sea creature“, Sky News. Zugegriffen: 10. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://news.sky.com/story/blue-dragon-beaches-closed-in-southern-spain-over-poisonous-sea-creature-13415606

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