Stand: 30.07.2026

Kompassqualle

Wiss. Name:

  • Chrysaora hysoscella

Englisch:

  • Compass Jelly
  • Compass Medusa
  • Compass Sea Nettle

Deutsch:

  • Kompassqualle
  • Kompass-Meduse
  • Kompass-Schirmqualle
Kompassqualle (Chrysaora hysoscella)
(C) Luke Lythgoe CC BY 4.0
All­ge­meines
und Bio­logie
Vorkommen
Vor­kom­men
Erkennen
Er­ken­nen
Verwechslungsgefahr
Ver­wechs­lung
Giftwirkung
Ver­giftung
Prävention
Prä­ven­tion
Erste Hilfe
Erste Hilfe
Professionelle Maßnahmen
Pro­fessio­nel­le
Maß­nah­men

Allgemeines und Biologie

Die Kompassqualle gehört zur Klasse der Schirmquallen (Scyphozoa) und zur Gattung Chrysaora, die im allgemeinen als Seenesseln bezeichnet werden. Ihren Namen verdankt sie der auffälligen Schirmzeichnung, die an eine Kompassrose erinnert. C. hysoscella besitzt einen verdickten Schirm, der einen Durchmesser von über 30 cm erreichen kann (manche Autoren berichten von bis zu 49 cm) [1], [2], [3]. Der Rand des Schirms ist in 32 Lappen gegliedert und trägt 24 Randtentakel. Diese sind in acht Gruppen zu je drei Tentakeln angeordnet, die mit acht Sinnesorganen abwechseln, meist kontrahiert sind, sich aber stark verlängern können (in der Literatur wird ein Range von maximal 2,5 – 4 m angegeben). Die Randtentakel sind konisch geformt mit einer abgeflachten, dickeren Basis, was der Qualle ein geriffeltes Aussehen verleiht. Sie sind außerdem mit Büscheln von Nesselkapseln (Nematocysten) bedeckt. Sie besitzt vier Mundarme, die an der Basis über eine kurze Strecke miteinander verwachsen sind. Typischerweise ist C. hysoscella gelblich-weiß gefärbt und weist ein sehr charakteristisches braunes Muster auf, das an die Radien eines Kompasses erinnert [2]. Neben der C. hysoscella gibt es noch weitere Arten, die im weiteren Sinn häufig „Kompassquallen“ genannt werden, z.B. C. achlyos(schwarze K.) oder C. pacifica (japanische K.). C. hysoscella ist jedoch die Spezies, die klassisch als „die“ Kompassqualle bezeichnet wird. Nesselzellen sind reichlich in den Tentakeln, den Mundarmen, in deutlich geringerer Anzahl auch an der Oberfläche des Schirmes vorhanden [4]. 

Kompassquallen schwimmen, indem sie ihren Schirm rhythmisch zusammenziehen und so Wasser ausstoßen, das sie vorwärts antreibt. Sie leben als Einzelgänger und halten sich meist nahe der Wasseroberfläche in den küstennahen Freiwasserzonen auf. Größere Aggregationen oder „Schwärme“ kommen vor, z.B. durch Meeresströmungen. Es wurde jedoch beobachtet, dass sie über mehrere Stunden hinweg ausgedehnte vertikale Wanderungen durch die Wassersäule unternehmen. Kompassquallen können von Fressfeinden wie Lederschildkröten und Mondfischen gefressen werden. Studien haben gezeigt, dass sie sich bei einer Bedrohung durch potenzielle Fressfeinde oder zur Vermeidung starken Wellengangs in tiefere Gewässer treiben lassen [3].

Vorkommen

C. hysoscella kommt in den Küstengewässern des nordöstlichen Atlantiks vor, insbesondere in der Keltischen See, der Irischen See und der Nordsee (mit der größten Häufigkeit zwischen 50,0° und 52,0° nördlicher Breite). Sie ist außerdem im Mittelmeer sowie in den Küstengewässern Westafrikas anzutreffen. Die Quallen leben in kalten bis gemäßigten Gewässern (bei Wassertemperaturen zwischen 4 °C und 28 °C). Sie halten sich überwiegend in küstennahen Bereichen des Kontinentalschelfs auf. Erwachsene Tiere sind meist nahe der Wasseroberfläche anzutreffen. Werden die oberflächennahen Strömungen jedoch zu stark, tauchen sie in tiefere Wasserschichten ab (bis etwa 27 m) und können sich dabei bis auf einen halben Meter über dem Meeresboden aufhalten. Insgesamt werden Kompassquallen nur selten in Tiefen von mehr als 30 m gefunden [3].

Datenquelle: iNaturalist.org (aufgeführt sind aus technischen Gründen nur die aktuellsten 200 Sichtungen, Sichtungen Community-based.)

Erkennen

Erkennen des Tieres

Flache, schirm- oder untertassenförmige Glocke mit bis zu rund 30 cm Durchmesser. Vier fransige Mundarme, die länger sind als die Randtentakel und sich an den Spitzen einrollen können.  Die Oberseite des Schirms weist 16 V-förmige braune Markierungen auf, die von einem dunklen Kreis oder Fleck in der Mitte ausstrahlen („Kompassrose“) [2].

Erkennen der Folgen

Der Kontakt mit den Tentakeln oder den Mundarmen der Qualle verursacht unmittelbar einen starken brennenden Schmerz, der mehrere Stunden anhalten kann. Bereits nach kurzer Zeit entstehen typische, streifenförmige Nesselverletzungen mit Hautrötungen (Erythemen), Schwellungen und Bläschen. Zunächst kommt es zu Bildung von Quaddeln und einem punktförmigen erythematösem Exanthem. Später zeigen sich multiple punktförmig-lineare Quaddeln, konfluierende rosafarbene Makulae sowie unterbrochen verlaufende Linien regelmäßig angeordneter kleiner Papeln mit erythematösem Hof [4], [5]. Gelegentlich reißen die Tentakel ab und bleiben auf der Haut haften [6].

Ver­wechs­lungs­möglich­keiten

Eine große optische Ähnlichkeit besteht zur Leuchtqualle, Pelagia noctiluca, die jedoch eine geringere Größe hat. Je nach Entwicklungsfortschritt sind natürlich Stadien identischer Größenverhältnisse möglich. Bei genauerer Betrachtung unterscheidet sich die P. noctiluca jedoch in einigen Punkten deutlich von C. hysoscella: Zum einen ist sie kleiner als C. hysoscella (maximal 12 – 15 cm), zum anderen enthält der Schirm warzenförmig angeordnete Felder mit Nesselzellen, die Kompasszeichnung fehlt. Während Kompassquallen sowohl als Einzelgänger als auch – z.B. durch Meeresströmungen – in Aggregationen vorkommen können, ist das massenhafte Auftreten von P. noctiluca-Schwärmen typisch.

Leuchtqualle, Pelagia noctiluca
(C) Mario Bassini. License: CC BY 4.0

Vergiftung

Es handelt sich um ein komplexes Gemisch aus Proteinen und Enzymen mit mehreren Funktionen. Der Kontakt mit den Tentakeln oder Mundarmen dieser Qualle verursacht sofort einen brennenden Schmerz, der Stunden anhalten kann.  Die Tentakel können abreißen und weiterhin nesseln, solange sie Hautkontakt haben. Es bilden sich rasch striemenförmige Nesselverletzungen mit Hautrötung (Erythem) sowie Schwellungen, Quaddeln und Bläschen. Diese Symptome sind in der Regel mild und verschwinden innerhalb weniger Tage.

Bei ausgedehnten Verletzungen können jedoch kleine Nekrosen entstehen. Hornhautverletzungen des Auges können zu langwierigen Beschwerden wie unscharfem Sehen und erhöhtem Augeninnendruck führen. Allgemeine Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinstrübung sind selten.

Anaphylaktische Reaktionen können – vorwiegend nach bereits früher durchgemachtem  Kontakt mit der Qualle – auftreten, offenbar sind aber auch Kreuzreaktionen mit anderen Quallenarten möglich [4], [6].

Prävention

Neoprenanzüge bzw. Stingersuits schützen die Haut, können aber Lücken aufweisen (Gesicht, Hände, Füße), eine Tauchermaske minimiert das Risiko von Augenverletzungen. Auch an den Strand angespülte Exemplare können – wie bei eigentlich allen Quallen – noch zu Vernesselungen führen, was neben unaufmerksamen Strandspaziergängern häufig Kinder oder mitgeführte Hunde betrifft (Aufsicht!).

Erste Hilfe

Dos
  • Sofort das Wasser verlassen.
  • Abgerissene / anhaftende Tentakelreste senkrecht zur Haut mit einer Pinzette o.ä. abheben.
  • Betroffene Stellen mit Meerwasser abspülen.
  • Eine Backpulverpaste scheint speziell bei Kompassquallen die Nesselzellaktivität zu inhibieren [4], [5]. Die Evidenz ist jedoch schwach.
  • Im Gegensatz zu anderen Schirmquallen (!) scheint speziell bei der hysoscella auch die Anwendung von Essigvorteilhaft zu sein (übergießen für 30 Sekunden) [5].
    • Vorsicht: Bei einer optisch ähnlich aussehenden Verwandten, der Leuchtqualle Pelagia noctiluca, bewirkt Essig eine Entladung von Nesselzellen und ist dort kontraindiziert. Dies scheint für die meisten Schirmquallen (Scyphozoa) zu gelten.
  • Lokale Hitzeanwendung scheint ebenfalls wirksam zu sein [5].
Dont
Don'ts
  • Kein unkontrollierter Notaufstieg, wenn vermeidbar.
  • Keine unsicheren Substanzen verwenden! Insbesondere:
    • KEIN Süßwasser
    • KEIN Urin
    • KEIN Alkohol / Desinfektionmittel
    • KEIN Rasierschaum
    • und ähnliches
  • Tentakelreste / anhaftende Nesselkapseln
    • NICHT mit dem Handtuch abreiben!
    • NICHT über die Haut ziehen!
    • NICHT abschaben!
  • Keine Anwendung der Pressure-Immobilisation-Technique.

Pro­fessio­nelle medi­zini­sche Hilfe

  • No Antidote Available. Please re-check, if this Info ist still up-to-date!Erste-Hilfe-Maßnahmen wie zuvor beschrieben
  • Bei systemischen Reaktionen, insbesondere bei relevanten Vorerkrankungen, übergeordnete Maßnahmen nach notfall-/intensivmedizinischen Kriterien.
  • Lidocainsalbe
  • Sollte es zu einem Notaufstieg eines Tauchers gekommen sein, ist immer auch an die mögliche Entwicklung oder das Vorliegen einer DCI zu denken, immer auch bei den Mittauchern (Buddies).

Weitere Bilder

Gut erkennbare Schirmzeichnung
(C) Matteo Alvise Fusaro CC BY 4.0
Von der Wasseroberfläche aus
(C) Frank Sengpiel CC BY 4.0
Im trüben Wasser.
(C) John Hepburn CC BY 4.0

Videos

Beobachtung des Schwimmverhaltens, Aussehen sehr gut erkennbar.

Eindrucksvolle Tentakellänge

Kompassqualle in Irland

Visueller Eindruck aus dem Monterey Bay Aquarium.

Literatur

[1]           „WoRMS – World Register of Marine Species – Chrysaora hysoscella (Linnaeus, 1767)“. Zugegriffen: 13. Juli 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.marinespecies.org/aphia.php?p=taxdetails&id=135304#notes

[2]           M. Sabatini, „Chrysaora hysoscella Compass jellyfish“, Marine Biological Association of the United Kingdom, Plymouth, 2008. Zugegriffen: 13. Juli 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.marlin.ac.uk/species/detail/2020

[3]           „Chrysaora hysoscella (Compass jellyfish) | INFORMATION | Animal Diversity Web“. Zugegriffen: 14. Juli 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://animaldiversity.org/accounts/Chrysaora_hysoscella/

[4]           Gifttiere Ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker, 4. neu bearbeitete und Erweiterte Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2025.

[5]           L. Montgomery, J. Seys, und J. Mees, „To Pee, or Not to Pee: A Review on Envenomation and Treatment in European Jellyfish Species“, Marine Drugs, Bd. 14, Nr. 7, S. 127, Juli 2016, doi: 10.3390/md14070127.

[6]           „Compass jellyfish | The Wildlife Trusts“. Zugegriffen: 13. Juli 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.wildlifetrusts.org/wildlife-explorer/marine/jellyfish/compass-jellyfish

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